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Die Onliner und ihre Kunden – häh was sind Kunden?

Dezember 17th, 2009

Wie jeder, der mich kennt weiss, ist die Online-Branche für mich relativ neu. Insgesamt ist es schon erstaunlich mitten drin zu sein und zu sehen wie sich alles bewegt, verändert und ausrichtetet. Dennoch glaube ich, dass es noch einer gewissen Wegstrecke bedarf, bis wir uns in der Online-Branche professionalisiert und als nachhaltig etabliert haben. Was mich am meisten erstaunt, ist allerdings, dass die meisten Onliner in den Dimensionen “Traffic”, “Conversion”, CPC, CPL, etc. denken, aber einen wichtigen Faktor, der für mein Empfinden immer im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht, mehr oder weniger vollkommen vernachlässigen, wenn nicht sogar ignorieren: den Kunden und sein Bedürfnis.

Diese Erkenntnis ist  mir auf einem der letzen Management-Meetings sehr deutlich geworden. Es ging um die kritischen Erfolgsfaktoren, die ein Unternehmen von den anderen unterscheidet. Ellen lange Listen wurden im Rahmen eines Brainstormings erarbeitet: Technik, SEO, SEA, Team, Stickyness, um nur einige zu nennen, alles war dabei. Nur eines fehlte und schien so gar nicht auf der Agenda eines Online-Unternehmens zu stehen: der Kunde und sein Bedürfnis:

Warum ist das so, warum vernachlässigen wir den Faktor, um den es hier geht?. Warum steht der, der die Musik bezahlt bei uns Onlinern nicht im Mittelpunkt unserer Betrachtung bzw. unserer Bemühungen?

Nur zur Erinnerung: ein komperativer Konkurrenzvorteil (KKV) ist das, was uns, in der subjektiven Wahrnehmungswelt des Kunden, besser erscheinen lässt, als unsere Wettbewerber. Der Kunde bezahlt unsere Gehälter bzw. Dividenden. Warum wird dieses Element bei Onlinern so sträflich vernachlässigt.

Klar unsere Devise mit viel Geld, das wir bei www.google.de ausgeben, so viele Internetuser wie möglich auf unsere Plattformen zu schaufeln und uns anschliessend beschweren wie teuer www.google.de ist, ist da sicherlich auch ein Weg, wenn auch nicht der effizienteste, und wenn ich länger darüber nachdenke, sogar noch nicht einmal der effektive.

Ich kann nur jedem Onliner genauso wie jedem Offliner den Tip geben “Kümmert euch um eure Kunden” und findet heraus was euer Kunde wirklich will und sucht.

Dies spart mit Sicherheit die ein oder andere Million, die wir sonst gerne im Marketing verbrennen.

Klingt einfach, ist auch so.

Dirk Stader

Der Transaktionskostenansatz als Entscheidungsunterstützung

November 30th, 2009

Als Teil der Neuen Institutionellen Ökonomie stellt der Transaktionskostenansatz einen sowohl theoretisch fundierten als auch pragmatisch orientierten Denkansatz dar, der das mikroanalytische Instrumentarium für eine Untersuchung der Koordinationsmechanismen sozioökonomischer Austauschbeziehungen bereitstellt und somit als Gestaltungsgrundlage zwischenmenschlicher Leistungsbeziehungen dient. Der Transaktionskostenansatz geht zurück auf einen 1937 veröffentlichten Aufsatz von R. Coase wurde seit Anfang der 70er Jahre im wesentlichen von O.E. Williamson weiterentwickelt und heute u.a. von A. Picot vertreten.

Unter einer Transaktion wird der Prozeß der Planung und Vereinbarung eines Leistungsaustausches verstanden, bei dem jedoch nicht der physische Leistungsaustausch selbst, sondern die vorgelagerte Übertragung von Verfügungsrechten im Mittelpunkt steht. Transaktionskosten – auch Koordinationskosten genannt – sind Kosten, die bei der Bestimmung, Übertragung und Durchsetzung dieser Verfügungsrechte für einen Leistungsaustausch innerhalb von Unternehmen und Märkten deshalb auftreten, weil die am Leistungsaustausch Beteiligten über verschiedene Interessen und unterschiedliches Können und Wissen verfügen. Es handelt sich im wesentlichen um Kosten der Information und Kommunikation für Anbahnung (z.B. Informationssuche und -beschaffung über potentielle Transaktionspartner), Vereinbarung (z.B. Verhandlungskosten, Vertragsformulierung, Koordination zwischen Vertrieb, F&E, Produktion und Einkauf), Abwicklungskosten (z.B. Prozeßsteuerung, Management), Kontrolle (z.B. Überwachung von Qualität, Terminen, Mengen, Preisen, Geheimhaltung) und Anpassung (z.B. Zusatzkosten für nachträgliche Änderungen).

Ziel ist es, die Transaktionskosten durch optimale Kombination der Leistungsarten, die ein Unternehmen zur Erfüllung seiner marktlichen Aufgabe benötigt, mit der geeignetsten Koordinationsform zu minimieren. Die Quantifizierung der Transaktionskosten ist dabei problematisch, da sie i.d.R. unter die Kategorie der Gemeinkosten fallen und damit erhebliche Schwierigkeiten der Erfassung und verursachungsgerechten Zurechnung mit sich bringen. Die Eignung der Transaktionskostentheorie zur Entscheidungsunterstützung wird hierdurch jedoch nicht eingeschränkt, da die Koordinationsform, die die vergleichsweise geringsten Transaktionskosten verursacht, indirekt anhand der Transaktionseigenschaften zu ermitteln ist.

Die Höhe und Struktur der Transaktionskosten sowie die Effizienz alternativer Koordinationsformen ist abhängig von den Transaktionseigenschaften der Leistungen hinsichtlich Spezifität, strategischer Bedeutung, Unsicherheit und Häufigkeit. Die wichtigste Eigenschaft ist die Spezifität. Der Spezifitätsgrad einer Leistung ist um so höher, je größer die Wertdifferenz zwischen der beabsichtigten und der nächstbesten Verwendungsmöglichkeit ist (Quasi-Rente). Bei hoher Spezifität kommt es zu „monopolartigen“ Leistungsbeziehungen mit wechselseitigen Abhängigkeiten und Sicherungsbedürfnissen (Small-Numbers-Situation). Aufgrund der begrenzten Rationalität der Transaktionspartner entstehen Spielräume für opportunistisches Verhalten, deren Ausnutzung vor allem bei hoher Spezifität zu hohen Transaktionskosten (z.B. bei Wechsel des Transaktionspartners) führen kann (Spezifität als dominierende Einflußgröße der Transaktionskosten). Mit zunehmender Spezifität wird damit ein stabiler und integrativer Transaktionsrahmen erforderlich, der sich durch einen hohen Integrationsgrad realisieren läßt. Unspezifische (standardisierte) Teile dagegen verursachen geringere marktliche (z.B. Kosten bei Austausch des Vertragspartners) als hierarchische bzw. interne (oftmals hohe Verwaltungskosten) Transaktionskosten und sollten daher mit einem niedrigen Integrationsgrad einhergehen.

Die zweite herausragende Eigenschaft ist die strategische Bedeutung der Leistung. Strategisch bedeutsame Leistungen gehen meist mit einer hohen Spezifität einher und sind daher im Rahmen eines hohen vertikalen Integrationsgrades zu erstellen. Darüber hinaus würde der Schutz des strategisch bedeutsamen Wissens bei niedrigem Integrationsgrad hohe Überwachungs- und Kontrollkosten nach sich ziehen.

Die Wirkungsweisen o.g. Eigenschaften werden durch Unsicherheit hinsichtlich qualitativen, quantitativen, terminlichen oder technischen Änderungen unterstützt: Zunehmende Unsicherheit erschwert eine längerfristige vertragliche Absicherung. Die Transaktionskosten für Vertragsformulierungen und nachträgliche Anpassungen etc. können insbesondere bei spezifischen und/oder strategisch bedeutsamen Leistungen bis auf ein prohibitives Niveau steigen. Änderungsintensive, aber standardisierte Leistungen dagegen können effizienter über marktliche Verträge bereitgestellt werden. Daneben wirkt auch die Häufigkeit der Leistungserstellung unterstützend. Je öfter spezifische und/oder strategische Leistungen erforderlich sind, desto größer ist die Tendenz zu höheren Integrationsgraden.

Die Ableitung von Strategieempfehlungen wird neben den Transaktionseigenschaften auch von Ein- und Auslagerungsbarrieren insbesondere bezüglich verfügbarem Know-how und Kapital beeinflußt. Ist aufgrund der Eigenschaften der Leistung ein hoher Integrationsgrad anzustreben, stehen dem jedoch Know-how und/oder Kapitalbarrieren entgegen, erhöht dies die Notwendigkeit für vertikale Kooperationsformen wie Strategische Allianzen, Joint Ventures, F&E-Kooperationen etc.

Transaktionskostenansatz

Abb.:  Zusammenhang von Transaktionseigenschaften und Integrationsgrad

Quelle: In Anlehnung an Picot, A. (1991), S. 346.)

Neben der o.g. Quantifizierungsproblematik, die eine Skalierung der Ergebnisse in nur ordinaler Form zuläßt, für die Entscheidungsunterstützung jedoch von untergeordneter Bedeutung ist, besteht eine Kritik in der häufigen Vernachlässigung von Produktionskosten. Mit dem Argument, daß Produktions- und Transaktionskosten von gleicher Wirkungsrichtung sind oder daß nur geringfügige zwischenbetrieblichen Produktionskostenunterschiede bestehen, beschränken sich viele Autoren auf die Transaktionskostenanalyse. Da jedoch auch eine gegenseitige Kompensation denkbar ist, scheint eine ergänzende Betrachtung von Produktionskosten zweckmäßig. Darüber hinaus ist die Nichtberücksichtigung der Ganzheitlichkeit des Leistungserstellungsprozesses sowie individueller operativer Einflußgrößen zu kritisieren. Der Transaktionskostenansatz stellt jedoch insofern einen sinnvollen Theorierahmen für die Leistungstiefenoptimierung dar, daß er insbesondere einige wesentliche strategische Kriterien berücksichtigt.’

Risikomanagement – eine Zusammenfassung

November 26th, 2009

1       Grundsätze und Ziele des Risikomanagements

1.1       Ziele und Aufgaben

Mit jeder geschäftlichen Tätigkeit sind Risiken verschiedenster Art verbunden, ohne die keine Tätigkeit ausgeübt werden könnte. Zielsetzung eines Risikomanagement-Systems kann also nicht die Vermeidung jeglichen Risikos sein.

Gleichzeitig besteht ein enger Zusammenhang zwischen geschäftlichem Erfolg (Rendite) und dem Risiko: je höher das eingegangene Risiko ist, desto höher müsste die erzielte Rendite sein. Während die Rendite im Nachhinein gemessen werden kann, ist das Risiko, unter dem diese erzielt wurde, oft nicht bekannt.

Es ist daher erforderlich, sich des eingegangenen Risikos ständig bewusst zu sein und die Größe des Risikos durch geeignete Kontroll- und Steuerungsmaßnahmen aktiv zu steuern.

Zielsetzung des Risikomanagements ist es daher,

  • Risiken der betrieblichen Geschäftstätigkeit systematisch zu identifizieren
  • bestehende Risiken sowie mögliche Konsequenzen aus der Übernahme von Risiken zu kennen,

um dadurch die Geschäfte risikobewusst steuern zu können, das heißt

  • kalkulierte Risiken einzugehen
  • existenzgefährdende Risiken auszuschließen.

Das Risikomanagement unterliegt dem Gebot der Wirtschaftlichkeit. Im Detail beschäftigt es sich daher nur mit Risiken, die aus Sicht der jeweiligen Einheit (Konzern-Teilkonzern-Gesellschaft) als wesentlich für den Erfolg oder die Existenz der Einheit anzusehen sind.

Die sinnvolle Handhabung und Steuerung von Risiken, stellen das Risikomanagement durch den im folgenden Abschnitt dargestellten Risikomanagement-Prozess sicher.

Neben der Handhabung und Steuerung aktueller Risiken sind die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung des Risikomanagements und seiner Instrumente eine wichtige Aufgabe des Risikomanagements. So wird sichergestellt, dass das Risikomanagement aus den gemachten Erfahrungen lernt und sich an veränderte Gegebenheiten anpasst.

 

1.2      Der Risikomanagement-Prozess

Der Risikomanagement-Prozess beschreibt die idealtypische Vorgehensweise zur Erkennung, Bewertung und Steuerung von Risiken. Die Einzelschritte werden in den folgenden Absätzen erläutert.

 

 

Das Unternehmen ist den verschiedensten externen und internen Risiken ausgesetzt. Im Rahmen des Risikomanagement-Prozesses müssen die Risiken identifiziert, analysiert und bewertet und schließlich mit den Mitteln des Risikomanagements gesteuert und überwacht werden.

1.2.1      Risikoidentifikation

Ziel der Risikoidentifikation ist die strukturierte und umfassende Erfassung aller wesentlichen Risiken. Dabei sind progressive und retrograde Vorgehensweisen möglich.

Mit einem progressiven Ansatz zur Identifikation von Risiken verfolgt man deren Ursachen und Wirksamwerden bis zu den Sicherheitszielen des Unternehmens. Dies geschieht in der Regel anhand standardisierter Checklisten, die potentielle Risikoereignisse auflisten. Die anschließende Bewertung gibt Aufschlüsse über den Grad der Beeinträchtigung der Sicherheitsziele.

Ausgangspunkt für die Erfassung von Risiken mit retrograder Methodik ist die Benennung der Unternehmensziele und –subziele. Untersucht werden hier Abteilungen / Funktionen in risikobehafteten Unternehmensbereichen, welche die Erfüllung der Unternehmensziele gefährden.

Zur Erreichung der Unternehmensziele sind bestimmte kritische Erfolgsfaktoren unabdingbar. Alle Ereignisse, die einen negativen Einfluss auf diese Erfolgsfaktoren nehmen könnten, sind als potentielle Risiken besonders zu untersuchen.

Um alle denkbaren Risiken besser erfassen und später vergleichen zu können, müssen diese entsprechend klassifiziert werden. Im folgenden Abschnitt wird ein exemplarisches Klassifizierungsmodell vorgestellt.

1.2.2      Risikoklassifikation

Die vollständige Erfassung und Bewertung aller wesentlichen Risiken ist in der Regel nur über eine Erfassung entlang der Wertschöpfungskette möglich. Dabei müssen auch kumulative Risiken beachtet werden! Die auf das Unternehmen wirkenden Risiken lassen sich nach ihrer Ursache in die vier Kategorien 

  • Externe Risiken,
  • Leistungswirtschaftliche Risiken
  • Finanzwirtschaftliche Risiken
  • Risiken aus Corporate Governance

einteilen.

 

Die folgenden Klassifikations-Beispiele sollen Anhaltspunkte für die Identifikation von potentiellen Risiken geben. Der Beispielkatalog ist dabei nicht als abschließend zu betrachten, sondern dient als Hinweis auf üblicherweise vorhandene Risikobereiche.

1.2.2.1     Externe Risiken

In diesem Risikofeld sollten alle aufgrund externer Einflussnahme eingeschränkt steuerbaren Risiken abgebildet werden. Diese umfassen im Wesentlichen die Risiken aus rechtlichen Auseinandersetzungen, technologischen Entwicklungen im Markt, Naturgewalten und politischen Verhältnissen.

1.2.2.1.1    Rechtlicher Rahmen

Gesetze, Auflagen, Genehmigungen und alle weiteren von staatlichen Stellen aufgrund hoheitlicher Macht erlassenen Regularien stellen für ein Unternehmen Risikopotential dar, wenn eine Schadenbeseitigung bzw. Anpassung aufgrund einer solchen Vorschrift erforderlich wird.

Gefahren können davon ausgehen, dass

  • Gesetze geändert werden (z.B. Mehraufwand für gesetzlich geforderte Umweltauflagen, die mit dem Kunden nicht vertraglich geregelt sind)
  • die Unternehmenstätigkeit sich verändert und neuen Regeln unterliegt
  • befristete Genehmigungen auslaufen oder nur ungenügenden Handlungsspielraum zulassen (z.B. vorgeschriebene Zeitfenster für Montage)

Umweltschutz- und Altlastenrisiken resultieren im Wesentlichen aus den zur Beseitigung vorhandener oder zu befürchtender Verunreinigungen aufzuwendenden Mitteln.

Bei der Vergabe bzw. Verwendung von öffentlichen Fördermitteln können Risiken bei sich verändernder Förderungswürdigkeit der Investition oder dem nicht erfüllen von Auflagen entstehen.

Strittige Steuernachforderungen, z.B. für Personal bei Projekten im Ausland oder Rückerstattung der Mehrwertsteuer sind keine Seltenheit und sollten schon frühzeitig durch geeignete Maßnahmen vermieden werden.

Gewährleistungsrisiken stellen potentielle Verbindlichkeiten dar, für die weder die Höhe noch der Zeitpunkt des Eintritts angegeben werden kann. Risiken entstehen meist durch eine ungenügende Rückstellungspauschale bzw. lückenhaften vertraglichen Vereinbarungen mit Unterlieferanten (fehlende Möglichkeit Risiken / Schadensfälle durchzureichen).

Produkthaftungsrisiken entstehen aus jedem nachweisbaren vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Verstoß gegen übliche Sorgfaltspflichten auch nach der Gewährleistungsperiode. Sie erstrecken sich auf den zu leistenden Schadenersatz und ggf. zusätzlich anfallende Präventions- bzw. Ersatzmaßnahmen für nicht akut gewordene Fälle. Dabei sind speziell die international geltenden äußerst verschiedenen Gesetzesgrundlagen und die Absicherung gegen bei der Produktion verwandte schadhafte Produkte von internationalen Herstellern zu berücksichtigen. Die Haftungsdauer beschränkt sich dabei je nach Legislative und Produkt auf eine bestimmte Zeitspanne (z.B. in Deutschland bei beweglichen Gütern auf 10 Jahre).

Risiken im Zusammenhang mit der Nutzung von Patenten können durch Auslaufen eigener oder verwandter Patente und damit stärkerem Wettbewerb, Streitigkeiten bei der Verwendung von geschützten Technologien und der Verletzung von bestehenden Patenten entstehen.

Mehrforderungen bergen bei vorheriger Aktivierung und erbrachter Mehrleistung hohe Risiken. Besonders Schiedsgerichtsverfahren im Rahmen von gerichtlichen Auseinandersetzungen um Mehrforderungen, bzw. Claims bergen bei mangelnder Projektdokumentation (Beweislage) und ungünstiger Vertragsgestaltung nicht unerhebliche Risiken.

Letztendlich verbleibt bei jeder rechtlichen Auseinandersetzung das Verfahrensrisiko zu verlieren bzw. zu Schadensersatzforderungen verurteilt zu werden, oder keine Möglichkeit einer Vollstreckung eines Urteiles / Zahlung von der verurteilten Partei erwirken zu können.

1.2.2.1.2    Technologie

Technologische Risiken resultieren aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten der eigenen und allgemeinen bzw. konkurrierenden technologischen Entwicklung. Fällt die eigene Entwicklung hinter die der Konkurrenz zurück, ist mit dem Verlust von Marktanteilen oder Kostenvorteilen zu rechnen; allzu weitreichende Pionierleistungen bergen andererseits die Gefahr, die Bedürfnisse der Märkte zu verfehlen (zu teuer oder innovativ).

Technologische Risiken sind sowohl für die Produkt- bzw. Leistungs- als auch für die Verfahrenstechnologie bzw. Methodenentwicklung relevant.

 

1.2.2.1.3    Naturgewalten

Risiken aus Naturgewalten sind üblicherweise in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit ebenso wie in ihrer Vermögens- bzw. Ertragswirkung kaum quantifizierbar. Dem nahezu auszuschließenden Verlust des gesamten Betriebsvermögens in Folge eines einzelnen Katastrophenfalls (Großfeuer, Sturm, Erdbeben, etc.) stehen regelmäßige kleinere Frost- oder Hochwasserschäden geringeren Ausmaßes gegenüber.

1.2.2.1.4    Politische Verhältnisse

Durch Import- oder Exportbeschränkungen wird der Handel mit bestimmten Handelspartnern bzw. –gütern verboten. Für ein Unternehmen besteht daher, insbesondere wenn die Beschränkung neu eingeführt wird, das Risiko des Verlusts von Kunden-/ Lieferbeziehungen. Wird eine Import- oder Exportbeschränkung unwissentlich nicht beachtet, drohen außerdem Strafen.

Eine Verstaatlichung von Unternehmen oder einzelnen Vermögensgegenständen kann sowohl unmittelbar als Enteignung wie auch mittelbar als Verstaatlichung eines Kunden oder Lieferanten Verlustgefahren bergen.

Im ersten Fall bemisst sich das Verlustpotential an dem Marktwert zum Enteignungszeitpunkt abzüglich eventuell zu erhaltender Entschädigungen. Andernfalls kann sich das Verlustpotential an dem entgangenen Umsatz, Ertrag oder ggf. ermittelbaren Opportunitätskosten orientieren.

Das Risiko der Globalisierung und der sich damit verschärfenden Wettbewerbssituation spiegelt sich im Endeffekt in der strukturellen Arbeitslosigkeit der Industrienationen wieder. Das Management der Beschäftigungsrisiken in den Industrieländern kann aufgrund der hohen Kostenstruktur im Personalbereich fast ausschließlich durch Innovation und der Entwicklung von Spitzentechnologien bewältigt werden. Notwendig sind dazu nicht nur staatliche Rahmenbedingungen, sondern auch unternehmenspolitische Entscheide, welche Innovation erleichtern und fördern.

1.2.2.2     Leistungswirtschaftliche Risiken

Risiken aus leistungswirtschaftlichen Aspekten, die aus den Kernprozessen der Abwicklung hervorgehen, sollen in diesem Risikofeld berücksichtigt werden. Diese umfassen im Wesentlichen die Risiken aus Beschaffung, Produktion, Absatz, Forschung & Entwicklung und eingesetzter Informationstechnologie.

 

1.2.2.2.1    Absatz

Art und Ausmaß von Absatzrisiken sind anhand der Mengen- und Wertkomponenten bestimmbar. Aus der jeweiligen Position des Unternehmens am Markt ergeben sich seine Möglichkeiten, Produkt- bzw. Leistungsmengen zu bestimmten Preisen abzusetzen. Absatzrisiken stehen insofern in engem Zusammenhang mit dem Wettbewerbsumfeld des Unternehmens. Auch langfristige Verschiebungen der Nachfrage zu Substitutionsprodukten stellen ein Risiko in Form des Wegfalls von Geschäftsfeldern dar.

Das Risiko des Auftragszugangs ist in quantitativer und qualitativer Hinsicht von Relevanz. Die Quantität eingehender Aufträge und ihr Wert bestimmen zusammen zukünftige Umsätze und Ergebnisse durch den Grad der Kapazitätsauslastung.

Das Risiko der nicht optimalen Kapazitätsauslastung tritt als negative Abweichung der Leistung von Produktionsanlagen oder personellen Kapazitäten von technisch oder arbeitsrechtlich bestimmten geplanten Größen in Erscheinung. Dies zieht eine unzureichende Deckung der Gemeinkosten nach sich, die in der Regel einer gewissen zeitlichen Bindung unterliegen und daher der Auftragslage nicht kurzfristig angepasst werden können.

Der qualitative Aspekt des Auftragseingangs beschreibt das Deckungsverhältnis vom Bruttoergebnis im Auftragseingang zu den Gemeinkosten und darüber hinaus die Vielzahl von Einzelrisiken, die mit der Entscheidung für die Annahme eines Projektes oder einer langfristigen Geschäftsbeziehung und den damit verbundenen Gefahren einhergehen.

Vertragsrisiken umfassen Gefahren, dass eingegangene Verträge aus verschiedensten Gründen (Formfehler, Unzulässigkeit, Mehrdeutigkeit, Unerfüllbarkeit, Sittenwidrigkeit, etc.) nicht gültig sind. Das Risiko besteht hier in den im Vertrauen auf die Gültigkeit der in Rechtsgeschäften vorgenommenen Dispositionen. Aus einer unzweckmäßigen Vertragsgestaltung (z.B. fehlende Haftungsbeschränkung) können hohe Schadensersatzrisiken entstehen. Außerdem sind bestimmte Pflichten (Dokumentations-, Rechenschafts-, Mitteilungspflichten, etc.) gesetzlich geregelt, deren Nichtbeachtung zu Bußgeldern führen kann. Ein besonders hohes Risiko besteht, wenn in einem unbekannten Rechtssystem Geschäfte abgeschlossen werden.

Risiken aus Leistung vor Auftragserteilung bestehen, wenn produziert wird, ohne dass sichergestellt ist, dass das Produkt auch verkauft werden kann. Wie beim Investitionsrisiko werden liquide Mittel gebunden, wobei der Rückfluss des investierten Kapitals von zukünftigen Umständen abhängt. 

Sofern Absatzrisiken nicht in spezielle Kategorien gefasst sind, sind diese den Risiken in sonstigen kritischen Auftragszugängen zuzuordnen.

1.2.2.2.2    Beschaffung

Beschaffungsrisiken äußern sich in der mangelnden Verfügbarkeit bzw. verspäteter Lieferung von Gütern bzw. Leistungen und in der Veränderung der dafür anfallenden Beschaffungs- bzw. Einstandspreise und Pönalen.

Die Abhängigkeit von einem Lieferanten oder Dienstleister aufgrund seiner Monopolstellung am Markt kann in beiden Risikoausprägungen resultieren. Eine mangelnde Verfügbarkeit kann dann ebenso wenig wie steigende Einstandspreise durch ein Ausweichen auf Konkurrenten vermieden werden.

1.2.2.2.3    Produktion

Produktionsrisiken entstehen im Wesentlichen bei der Erstellung einer Anlage / Herstellung eines Produktes. Dabei sind Risiken aus der direkten Arbeit in der Anlage / am Produkt (Arbeitssicherheit und Qualität der Leistung) genauso zu berücksichtigen wie auch Risiken aus der technischen Konzeption der Anlage. Verfahrenstechnisch begründete Mängel treten meist erst während der Durchführung der Inbetriebnahme (Verfügbarkeit und Abnahmemängel) sowie der Analyse der hergestellten Güter / bzw. der Prozessqualität auf.

Störungen im Leistungserstellungsprozeß können aus diversen Problemen (technische Schwierigkeiten, menschliches Versagen, Unfall, Brand, Streik, etc.) resultieren. Gemeinsam ist diesen Störungen, dass diese eine Produktionsunterbrechung oder –einschränkung bewirken. Daraus können Ergebniseinbußen oder Schäden aus Pönalen und Mehrkosten für beschleunigende Maßnahmen, bzw. längere Bauzeiten resultieren.

1.2.2.2.4    Forschung & Entwicklung

Die leistungswirtschaftlichen Risiken aus Forschung & Entwicklung beschränken sich im wesentlichen auf den Verlust der in die Produktentwicklung investierten Mittel, wenn die nötige Verfahrens-/Produktreife nicht erlangt werden kann. Verfahrenstechnische Risiken aus dem Up-scale von Versuchsanlagen müssen in den Produktionsrisiken berücksichtigt werden.

1.2.2.2.5    Informationstechnologie

Die Bedeutung der Informationstechnologie für Unternehmen ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Die gestiegene Bedeutung hat dazu geführt, dass auch die aus der Nichtverfügbarkeit oder dem Missbrauch der Informationstechnologie resultierenden Gefahren stetig zugenommen haben.

Wesentliche Bereiche, in denen Risiken auftreten können sind:

  • Datensicherheit / Datenvertraulichkeit / Datenschutz
  • Betriebssicherheit / Verfügbarkeit
  • Abhängigkeit von Herstellern, Dienstleistern, Personal

1.2.2.3     Finanzwirtschaftliche Risiken

Finanzwirtschaftliche Risiken sind im Wesentlichen durch fehlende bzw. mangelhafte Unterstützungsprozesse begründet. Diese umfassen im Wesentlichen die Risiken des Finanzmarktes, der Verfügbarkeit von Finanzmitteln und der Wirtschaftlichkeit von Investitionen.

1.2.2.3.1    Schuldnerrisiko

Das Schuldnerrisiko lässt sich untergliedern in das Bonitätsrisiko im engeren Sinne und das Länderrisiko.

Das Bonitätsrisiko i.e.S. beinhaltet Gründe, die in der Person des Schuldners liegen. Es besteht das Risiko, dass ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht oder nur teilweise nachkommen kann, zum Beispiel Zahlungsunfähigkeit. Ein Hinweis zur Beurteilung der Bonität eines potentiellen Vertragspartners kann das sogenannte Rating (Bonitätsbeurteilung des Schuldners durch eine unabhängige Rating-Agentur, z.B. Notation von Standard & Poors oder Dunn & Bradstreet) sein. Die Bewertung beruht dabei u.a. auf der Eigenkapitalisierung und dem allgemeinen Zahlungsverhalten des Schuldners.

Ein Länderrisiko ist gegeben, wenn ein ausländischer Schuldner trotz eigener Zahlungsfähigkeit aufgrund fehlender Transferfähigkeit und -bereitschaft seines Sitzlandes  seine Zins- und Tilgungsleistungen (z.B. für Anleihen) nicht fristgerecht oder überhaupt nicht  leisten kann.

Das Währungsrisiko betrifft Umstände, die sich aus der Konvertibilität von Währungen ergeben (Devisenbewirtschaftungen). Das Währungsrisiko beschreibt die Gefahr, dass eine Forderung oder ein Geldbetrag in einer Währung zahlbar ist, bei der durch den Verfall des Kurses oder durch Devisenbewirtschaftung nicht der kalkulierte Forderungsbetrag in Hauswährung erlöst wird. Das Währungsrisiko wird über die erwartete Volatilität im Wechselkurs bewertet (als Orientierung dient die historische Entwicklung, bzw. Volatilität, die über die Standardabweichung berechnet wird).

Alle sonstigen Risiken, die durch drohende Forderungsausfälle geprägt sind  und nicht in spezielle Kategorien gefasst sind, können den Sonstigen kritischen Forderungen zugeordnet werden.

1.2.2.3.2    Finanzmittel

Das Liquiditätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass das eigene Unternehmen nicht in der Lage ist, seine fälligen Verbindlichkeiten zu jedem Zeitpunkt zu erfüllen.

Das Liquiditätsrisiko selbst kann kaum quantifiziert werden, da die jederzeitige Zahlungsfähigkeit für das Unternehmen existentiell ist. Der finanzielle Spielraum darf nicht durch zu geringe Kreditlinien eingeschränkt und darf dennoch nach oben nicht zu großzügig bemessen sein, da bei jeder bestehenden Kreditlinienhöhe die Gefahr der vollständigen Limitinanspruchnahme besteht.

Die Absicherung von Zinseinkünften oder Zinsausgaben hat bei Liquiditätsgeschäften eine entscheidende Bedeutung für die Sicherstellung der Kalkulation und Ertragslage. Risiken aus Zinsbewegungen können durch einen Zins-Swap, eine Vereinbarung über den Austausch unterschiedlich gestalteter Zahlungsströme während eines bestimmten Zeitraums, gesteuert werden. Zwischen den Vertragsparteien fließen dabei keine Kapitalsummen, sondern lediglich Ausgleichsbeträge über Zinsdifferenzen.

1.2.2.3.3    Investitionen

Bei einer Investition werden liquide Mittel in langlebige Vermögensgegenstände umgewandelt. Dadurch wird eine längerfristige Bindung an Verfahren, Kapazitäten, Standorte etc. eingegangen. Die damit einhergehende Abhängigkeit von zukünftigen Entwicklungen stellt das Investitionsrisiko dar.

Die Risiken dieser Kategorie lassen sich in Investitionsrisiken aus Investitionen in Sachanlagen und Immateriellen Vermögensgegenständen, sowie Investitionsrisiken, die aus dem Erwerb von Beteiligungen entstehen können, unterteilen.

Bei den Risiken aus einem Beteiligungserwerb gehen neben den allgemein im Vordergrund stehenden Risiken aus Altlasten und der Integration einer fremden Unternehmenskultur, auch spätere Risiken wie die Entwicklung der bilanziellen Bewertung von Unternehmensanteilen hervor.

1.2.2.4     Risiken aus Corporate Governance

Generell lassen sich Risiken aus diesem Risikofeld besonders schwer quantifizieren, können aber bei Vernachlässigung langfristige und schwerwiegende Folgen für ein Unternehmen haben. Die nach Aufbau- und Ablauforganisation unterteilten Risiken aus Personal und Organisation umfassen im Wesentlichen die Risiken aus der Führung und Personalplanung des Unternehmen sowie der organisatorischen Schwachpunkte durch unzureichende Richtlinien oder Kontrollmechanismen.

1.2.2.4.1    Personal, Führung

Der mangelhafte Aufbau einer Organisation kann langfristig Risiken bergen, wenn z.B. durch Mitarbeiterunzufriedenheit, Überlastung und fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten eine hohe Fluktuation und damit ein stetiger Know how Abfluss entsteht. Speziell Überalterung kann langfristig den Aktionsradius eines Unternehmens ohne Nachfolgeplanung und Personalentwicklung in Form von schwindender Abwicklungskompetenz beeinträchtigen.

Neben dem Aufbau einer Organisation ist Führung eine der entscheidenden Voraussetzungen für den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Schlechte Führung (unklare Anweisungen, unklare Verantwortlichkeiten) kann daher für ein Unternehmen ein Risiko darstellen.

1.2.2.4.2    Richtlinien, Kontrollmechanismen

Die Organisation des Unternehmens soll durch Einbau von Kontrollen und fehlerverhindernden Maßnahmen sicherstellen, dass sich alle Beteiligten im Sinne des Unternehmens verhalten. Die Organisation muss daher so ausgestaltet sein, dass Fehlverhalten (Betrug, Veruntreuung, Korruption, Kartellverstöße etc.) wirksam verhindert wird.
Organisationsrisiken bestehen da, wo die Aufbau- oder Ablauforganisation nicht den Anforderungen genügt. Dies kann darauf beruhen, dass organisatorische Anweisungen nicht in ausreichendem Maß vorhanden bzw. falsch gestaltet sind oder dass diese nicht befolgt werden.

1.2.3      Risikoquantifizierung

Um Risiken in ihrer Auswirkung einschätzen zu können, muss versucht werden, die identifizierten Risiken zu quantifizieren. Jedes Risiko lässt sich dabei anhand der Kriterien

  • Wahrscheinliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen,
  • Maximale finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen,
  • Wahrscheinlichkeit des Eintretens und
  • der schon getroffenen Vorsorgemaßnahmen

beschreiben. Risiken resultieren regelmäßig aus ungenügender Information über zukünftige Entwicklungen. Aus der Menge der möglichen Entwicklungen müssen Szenarien gebildet werden, die möglichen finanziellen Auswirkungen auf das Unternehmen aufzeigen.

Auch die subjektive Quantifizierung von Risiken ist schwierig. Bei der Ermittlung der subjektiven Einschätzungen kann die Orientierung ähnlichen Ereignissen aus der Vergangenheit helfen.

Außerdem kann die Beschränkung auf Tendenzaussagen helfen, eine ’subjektiv eindeutige’ Einschätzung einer Wahrscheinlichkeit zu erzielen.

Die vorgeschlagene Vorgehensweise und an rechtlichen Kategorien orientierte Herleitung, dürfte sowohl gutachtlich leistbar als auch entscheidungsrelevant sein. Sie ist zwar pragmatisch, gewährleistet dadurch aber die Vergleichbarkeit der einzelnen Aussagen. In den folgenden vier Abschnitten werden die Bewertungsparameter näher erläutert.

1.2.3.1     Erwartetes Risiko

Zur Abschätzung des wahrscheinlichen Risikowertes bei Eintritt bzw. Realisierung, muß die wahrscheinlichste finanzielle Auswirkung im Schadensfall angegeben werden. Dieser Erwartungswert spiegelt in der Regel den aktuellen Informationsstatus und die in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen ähnlicher Vorgänge wider (z.B. gerichtlicher Vergleich).

1.2.3.2     Maximales Risiko

Das maximale Risiko lässt sich meist leichter quantifizieren, da oft vertragliche Haftungsgrenzen gegeben bzw. Forderungshöhen bekannt sind. Dieser Wert, oft auch als Worst-Case-Scenario bezeichnet, stellt die maximale finanzielle Auswirkung bei Eintritt auf das Unternehmen dar (z.B. Zahlung der vertraglich vereinbarten maximalen Pönale bei Verzug).

1.2.3.3     Prozentuale Eintrittswahrscheinlichkeit

Die einzelnen Szenarien müssen mit Wahrscheinlichkeiten versehen werden. Dabei geht es ausschließlich um subjektive Einschätzungen, da sich objektive Wahrscheinlichkeiten wegen der hohen Komplexität meist nicht ermitteln lassen.

Wurden bisher immer die Risiken in absoluten Beträgen quantifiziert, erfolgt mit der prozentualen Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit eine Gewichtung eines monetären Schadensfalles. Dies mag für den Einzelfall weniger relevant sein, bietet aber bei einer Betrachtung des Gesamtbestandes an Risiken die Möglichkeit der statistischen Auswertung bzw. einer Art Portfolio-Analyse der vorhandenen Risiken.

 

Klassifizierung von Eintrittswahrscheinlichkeiten
Stufe Bezeichnung Erläuterung quantifiziert Risiko Beispiel
A sicher Wirkung wird definitiv / ist eintreten n=100% Kunde hat Ziehen der Pönale schriftlich angekündigt / gezogen
B sehr wahrscheinlich Wirkung wird nach praktischer Vernunft eintreten. 95%<n<100% Ziehen der Pönale, da Termin überschritten wurde
C wahrscheinlich Wirkung wird in mehr als der Hälfte der Fälle eintreten. 50%<n<95% Ziehen der Pönale, Abwicklung bei einem Projekt steht deutlich in Verzug
D Möglich Wirkung kann eintreten, d. h. in weniger als der Hälfte der Fälle, ihr Eintritt ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. 5%<n<50% Ziehen der Pönale, da Projekt im Verzug – aber Beschleunigungsmaßnahmen eingeleitet
E Unwahrscheinlich Wirkung wird nach praktischer Vernunft nicht eintreten. 0%<n<5%  
F Unmöglich Wirkung kann nicht eintreten. n=0% Verzug durch Erdbeben, aber Haftungsausschluß im Fall von Force Majeure
G Unwägbar Eine Abschätzung ist aufgrund von Unkenntnis nicht vertretbar ???  

Tabelle 1  Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken

Nach Möglichkeit ist die Eintrittswahrscheinlichkeit je Risiko so genau wie möglich anzugeben. Tabelle 2 bietet für eine erste Annäherung Trends zur Abschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein drohender Schadenfall mit der Eintrittswahrscheinlichkeit der Stufe F (unmöglich) durch den damit verbundenen Risikoausschluss nicht als solches in der Risikocheckliste aufgeführt werden muss.

Risiken der Stufe A werden mit Sicherheit eintreten bzw. sind schon eingetreten und sollten deshalb nur so lange in den Listen geführt werden, bis die finanziellen Auswirkungen im Monatsergebnis berücksichtigt sind.

Es kann auch sinnvoll sein, die Wahrscheinlichkeit des umgekehrten Falls – also des Nichteintritts des Risikos – abzuschätzen, um sich auf diese Weise dem betrachteten Fall anzunähern. Eine weitere Möglichkeit, eine Bewertung in schwer abschätzbaren Fällen vorzunehmen, besteht darin, Ranglisten von Wahrscheinlichkeiten zu bilden.

Für identifizierte Risiken lässt sich der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschrittene Verlust (Value at risk oder Money at risk) mit Hilfe von statistischen Verfahren errechnen. Dies gibt in der Regel kein akkurates Ergebnis der Auswirkungen für den Einzelfall, sehr wohl aber für die Gesamtrisiken. Dabei beruht auch diese vorgeschlagene Lösung der subjektiven Einschätzung auf in der Vergangenheit beobachteten Entwicklungen.

In der Gesamtbetrachtung der Risiken im Unternehmen reflektiert die zusätzliche Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit die Reduzierung des Gesamtrisikos vor Eintritt, da zum Einen aufgrund der Maßnahmen zur Risikosteuerung eine Reduzierung, zum Anderen nicht bei allen Risiken eine Realisierung zu erwarten ist.

1.2.3.4     Vorsorgemaßnahmen

Um die finanziellen Auswirkungen des Nettorisikos ermitteln zu können, müssen je Einzelrisiko die bilanziell getroffenen Vorsorgemaßnahmen wie Rückstellungen bzw. bei Projekten die gemeldeten Auftragsergebnisveränderungen berücksichtigt werden. Die in der Risikocheckliste angeführten Vorsorgemaßnahmen sollten sich dabei alle auf denselben Berichtsstand beziehen.

1.2.3.4.1    Rückstellungen

Für den Fall, dass eine ungewisse Verbindlichkeit (contingent liability) oder ein Verlust aus schwebendem Geschäft (pending loss) droht, wird die Wahrscheinlichkeit, dass das zukünftige Ereignis eintritt und damit zum Entstehen einer Verbindlichkeit oder eines Verlustes nach dem Bilanzstichtag führt, nach US-GAAP folgendermaßen beschrieben:

Probable: Das zukünftige Ereignis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten (> 70%) und ist deshalb entsprechend bilanziell zu berücksichtigen.

Reasonably Possible: Der Eintritt des Ereignisses ist nicht unbedingt wahrscheinlich, aber dennoch möglich.

Remote: Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering. Der Eintritt des Ereignisses ist unwahrscheinlich (< 10%).

 

1.2.4      Analyse und Kommunikation der Risiken

Die identifizierten und bewerteten Risiken müssen je nach Alarmschwellenwert für eine Analyse kommuniziert und aufbereitet werden. Während zwar alle Risiken in der Checkliste dokumentiert werden müssen, ist für bestimmte Risiken eine zusätzliche Detailanalyse erforderlich. Die Information über das Vorliegen einer Risikosituation muss hierzu von demjenigen, der Kenntnis über das Auftreten der Risikosituation hat, zu demjenigen, der die Verantwortung für die Steuerung des Risikos hat, gelangen. Für die Analyse sind beide Dimensionen, maximale Schadenshöhe und Wahrscheinlichkeit relevant. Eine Verdichtung dieser beiden Größen zu einer Zahl (im Sinne des “Money at Risk”) ist zunächst, wie auch schon bei der Quantifizierung in der Risiko-Checkliste, nicht sinnvoll, da zur inhaltlichen Analyse genaue Informationen über den Sachverhalt benötigt werden.

Als Mittel zur Kommunikation von Risiken eignen sich vor allem Protokolle, in denen die wesentlichen Informationen über den Sachverhalt strukturiert zusammengefasst werden.

Zur Auswertung und Visualisierung kann außerdem eine Risikomatrix eingesetzt werden, mit der sich die ermittelten Risiken graphisch darstellen lassen.

1.2.5      Steuerung der Risiken

Erkannte und bewertete Risiken müssen mit den Mitteln des Risikomanagements gesteuert werden. Damit diese Steuerung bewusst stattfindet und sich nicht ‘unbewusst’ aus der Nichtkenntnis von Risiken ergibt, ist es erforderlich, dass die Schritte Identifikation – Bewertung – Analyse/Kommunikation  stattgefunden haben.

 

 

Abbildung 1  Prozessablauf der Risikosteuerung

Unter Vernachlässigung der eindeutig für das Risikomanagement nicht wesentlichen Entwicklungen und Ereignisse kommen als Handlungsmöglichkeiten folgende fünf Alternativen zur Risikosteuerung in Betracht:

  1. 1.    Vermeiden eines Risikos:  Erkannte Risiken können durch Unterlassen der auslösenden Handlung vermieden werden.
  2. 2.    Vermindern eines Risikos: Erkannte Risiken können durch Auswahl einer weniger riskanten Handlungsalternative verringert bzw. deren Auswirkung gemindert werden.
  3. 3.    Begrenzen eines Risikos: Erkannte Risiken können durch Maßnahmen der Risikostreuung und Risikoüberwälzung (ohne Versichern) wie z.B. Factoring oder Leasing begrenzt werden.
  4. 4.    Überwälzen eines Risikos: Erkannte Risiken können durch eine Risikofinanzierung auf Dritte überwälzt werden. Mittel hierzu sind z.B. Versicherungen, Sicherungsgeschäfte, Akkreditive und Bürgschaften.
  5. 5.    Akzeptieren eines Risikos: Erkannte und bewertete Risiken können unter sorgfältiger Abwägung des Risikopotentials und der erwarteten Erträge akzeptiert (passiv), bzw. durch Bildung von positionsbezogenen Rückstellungen für Risiken mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit und Pauschalen für die restlichen Fälle aktiv abgedeckt werden. Von elementarer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Rückstellungen für Garantieverpflichtungen und Haftungsrisiken (vor allem Produkthaftung), die aufgrund Ihres obligatorischen Charakters nach dem Maßgeblichkeitsprinzip auch steuerrechtliche Anerkennung finden. Auch die in einer Ergebnisrücknahme gemeldete antizipierte Auftragsergebnisveränderung per Monat nach US-GAAP ist eine aktive Methode der Risikoakzeptanz.

 

Die Problematik, ein Risiko durch mehrere Maßnahmen lösen zu können sowie durch eine Handlungsweise simultan mehrere Risiken zu tangieren, macht die optimale Kombination der risiko-politischen Instrumente schwierig. Die Auswahl alternativer Steuerungsmaßnahmen sollte unter Beachtung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses die Sicherheitsziele des Unternehmens unterstützen. Nach dem Festlegen geeigneter Maßnahmen, dient letztendlich das Risikocontrolling der Messung und Überwachung von Risikopositionen sowie der Analyse des damit korrelierenden Risikopotentials. Das System ist entsprechend an die sich verändernden Situationen anzupassen und spiegelt so den Umfang, die Komplexität und den Risikogehalt der Geschäftstätigkeit wider.

 

Organisation des Risikomanagements

Durch das Risikomanagement sollen keine zusätzlichen Organisationseinheiten aufgebaut werden. Risikomanagement erfordert vielmehr, dass die risiko-relevanten Aktivitäten bestehender Organisationseinheiten gebündelt und in ein gemeinsames Konzept eingebunden werden.

Die wesentlichen am Risikomanagement Prozeß beteiligten Organisationseinheiten sind

  • Management
  • Controlling
  • Interne Revision
  • Wirtschaftsprüfer

Jede der Organisationseinheiten hat im Rahmen des Risikomanagement-Prozesses ihre spezifische Funktion. Diese Funktionen werden in den folgenden Abschnitten erläutert.

1.3      Aufgaben des Managements

Die Aufgabe des Managements im Risikomanagement-Prozess besteht in der

  • Initiierung des Prozesses,
  • Festlegung von risiko-politischen Grundsätzen,
  • Zuweisung von Teilaufgaben an die Beteiligten
  • Steuerung der Risiken auf Grundlage der Erkenntnisse über die Risikolage.
  • Die Erzielung eines wirtschaftlichen Erfolges ist notwendigerweise mit Risiko verbunden.
  • Keine Handlung oder Entscheidung darf ein existenzgefährdendes Risiko nach sich ziehen.
  • Ertragsrisiken müssen durch die entstehende Rendite angemessen prämiert werden.
  • Risiken sind weitestgehend zu vermeiden.
  • Nicht vermeidbare Risiken sind so weit wie wirtschaftlich sinnvoll zu versichern.
  • Restrisiken müssen mit dem Instrumentarium des Risikomanagements gesteuert werden.

1.4      Aufgaben des Controllings

Die Aufgabe des Controllings im Risikomanagement-Prozess besteht in der Einrichtung eines Planungs- und Berichtswesens für Risiken. Hierzu müssen betriebswirtschaftliche Abläufe festgelegt und als regelmäßiger Prozess umgesetzt werden.

Im budget-orientierten Controlling besteht der Controlling-Prozess aus Planung, Reporting und Analyse. Dieser Prozess findet auch im Risikocontrolling statt. Allerdings müssen, da Risiken sich nicht immer quantifizieren lassen, auch andere Instrumente eingesetzt werden.

1.4.1      Zielvorgabe

Im Kennzahlen-gestützten Controlling findet Planung in Form von Budgets und Zielvorgaben statt. Da Risiken sich nicht zahlenmäßig budgetieren lassen, erfolgt die Vorgabe beim Risikocontrolling in Form von Handlungsanweisungen.

Zur Umsetzung der Grundsätze werden daneben folgende Instrumente eingesetzt:

  1. Richtlinien, Handbücher, Organisationsanweisungen
  2. 2.    Limitsysteme: Da wo Risiken kalkuliert eingegangen werden, muss darauf geachtet werden, dass die Risiken nicht über ein geplantes Maß hinauswachsen.
    Diesem Zweck dienen Limitsysteme. Hierbei werden für bestimmte Personen, Transaktionen und Objekte Mengen- oder Wertgrenzen gesetzt, die nicht überschritten werden dürfen. Die Überschreitung löst eine Berichtspflicht aus.
    Diese Limits sind in regelmäßigen Abständen auf ihre Angemessenheit zu kontrollieren.
  3. 3.    Persönliche Verantwortlichkeit: In Bereichen, die nicht durch eine Richtlinie oder Arbeitsplatzbeschreibung geregelt werden, wird durch die Übertragung von persönlicher Verantwortung für eine Aufgabe sichergestellt, dass Handlungen so wie geplant durchgeführt werden.
  4. 4.    Genehmigungsverfahren: Durch vorgegebene Abläufe bei Genehmigungsverfahren (z.B. 4-Augen-Prinzip) werden Risiken planmäßig verringert.
  5. 5.    Spezifische Sicherungssysteme: Durch präventive Maßnahmen wird sichergestellt, dass Gefahren abgewehrt bzw. Risiken ausgeschaltet werden. Beispiele sind EDV-Sicherungsmaßnahmen (Datensicherung, Datenschutz, Firewalls, Systeme zum Schutz vor Viren) und Schutz vor kriminellen Handlungen (Alarmanlagen, Bewachung, Sicherung, Krisenmanagement)  etc.

1.4.2      Risiko-Reporting

Standards, die schriftlich dokumentiert sind, erhöhen die Transparenz der Risikosituation auf allen Ebenen des Unternehmens.

Da bei der Risikoidentifikation alle denkbaren Risiken erfasst werden sollen, muss die ursprüngliche Risikosituation, d.h. vor eventuellen Kontrollen und Risikosteuerungsmaßnahmen, untersucht werden.

1.4.2.1     Monatsberichte

Die von allen Gesellschaften zu erstellenden Monatsberichte enthalten u.a. Informationen, die eine Einschätzung von Risiken erlauben. Beispiele für solche Daten sind: Auftragsbestand, Auftragseingang, Auslastung, Auftragsbewertung einschl. Restkostenschätzung, etc.

Diese Informationen sind Bestandteil der ‘herkömmlichen’ Berichterstattung und werden weiterhin auf den existierenden Berichtswegen erhoben.

1.4.2.2     Balanced Scorecards

In den monatlich von jeder Strategischen Geschäftseinheit erhobenen Balanced Scorecards sind zahlreiche Angaben enthalten, die als risiko-relevant anzusehen sind. Diese Angaben werden weiterhin auf diese Weise erhoben.

1.4.2.3     Länderrisiko-Abfrage

Periodisch wird eine Abfrage durchgeführt, in der das Exposure (Forderungsbestand) der Teilkonzerne je Land erfragt wird. Diese Abfrage wird auch in Zukunft erfolgen.

1.5      Risk Assessment and Advisory Committees (RAAC)

Nicht alle risiko-relevanten Informationen lassen sich strukturiert in Form von Zahlen erheben. Es ist daher erforderlich, eine Organisation zu schaffen, mit der auch

  • bisher unbekannte Risiken identifiziert und bewertet
  • komplexe Sachverhalte ohne Informationsverlust kommuniziert

werden können.

Diesem Ziel dient die Einführung von Risk Assessment and Advisory Committees

Systematisierung der Geschäftsmodelle im Internet

November 3rd, 2009

Geld verdienen im Internet, ist eigentlich nicht so schwer und sollte man einmal Verluste produzieren, dann kann man sich damit trösten, dass das Geld nicht weg ist, sondern nur einem anderen gehört.

Werbefinanzierte Geschäftsmodelle – Advertising Model:

Prominentestes Beispiel “google”: hierbei ist das Geschäftsmodell vollständig von Werbeeinnahmen abhängig und letzendlich auch darauf angewiesen. Dies Art des Geschäftsmodells geht dabei stark auf die Anfänge des Internets zurück. Grundvoraussetzung für einen geschäftlichen Erfolg ist dabei die Generierung von größmöglichem “traffic” und zwar relativ unabhängig davon, ob es sich hierbei um “guten” oder “schlechten” traffic handelt. Inwiefern hierbei der ebenfalls von google behauptete Aufbau eines Markennamens durch reine Werbung im Internet eine Rolle spielt, mag durchaus bezweifelt werden. Allerdings hilft der Markenaufbau durch die diversen anderen Marketingkanäle auf jeden Fall – und vielleicht wird der Markenaufbau durch internetbasierte Werbeformate zusätzlich lanciert. Mag sein.  Böse Zungen behaupten, dass rein werbebasierte Geschäftsmodelle außerhalb der etablierten Beispiele á la google sich nur schwerlich etablieren lassen und möglicher Weise eher zufällig, denn geplant entstehen. Hierzu ist jeder zu einem Kommentar aufgefordert.

Affiliate Model

Betreiber von Webseiten werden finanzielle Anreize geboten in Form von Provisionen etc., wenn sie Nutzer bspw. auf die Seite eines Online-Händlers weiterleiten. Die Zielwebseite erhält hiermit vorzugesweise “guten” traffic der konvertiert, dh. eine Transaktion auslöst. Die Zielwebseite vergütet diese Dienstleistung monetär und beteiligt somit den traffic-Lieferanten am Umsatz- bzw. Rohertragserlös. Vorzugsweise erfolgt die Honorierung transaktionsbasiert, d.h. bei Kauf, Anmeldung, Lead etc. Konditionell orientiert sich eine potenzielle Provision an der Güte des traffics, der durchgeleitet wird. Der Erfolg ist für den Affiliate-Anbieter grundsätzlich leicht zu messen und die Kosten-Nutzen-Relation dieser Maßnahme einfach zu überprüfen, da Performance abhängig.

Makler Modell – Brockerage

Es werden  Dienstleistungen, Produkte zwischen Anbieter und Kunde gehandelt. Umsatz wird hierbei durch Angebot und Nachfrage auf einer Internetplattform generiert. Hierbei gilt, je bekannter eine Internetplattform ist, desto höher ist die Anzahl der potenziellen Transaktionen. Erlöse werden hierbei ebenfalls transaktionsbasiert  erzielt, d.h. via Gebühren, Nutzungsentgelte, Mitgliedschaften etc. Beispielhafte Ausprägungen für dieses Geschäftsmodell sind Marktplätze, Auktionsplattformen wie ebay, amazon etc. Die technologische Funktionalität ist hierbei ein kompetitiver Erfolgsfaktor.

Subscriptionsmodel

Dies ist ein klassisches Abonnentenmodell, bei dem der Nutzer gegen entsprechende Bezahlung für einen definierten Zeitraum eine Leistung in Anspruch nehmen kann. In der Praxis finden sich häufig Subscriptionsmodelle in Kombination mit werbebasierten Geschäftsmodellen: die Leistung wird einmal im Grundkonzept meist mit verringertem Funktionsumfang inklusive Werbung angeboten und zum anderen als sog. Premiumdienst mit vollem Leistungsumfang meist ohne Werbung.

Utiliy Model

Hierbei wird ein Preis je nach in Anspruch genommenem Leistungsumfang (Anzahl der Seiten, Seitenaufrufe, Nutzungszeit etc.) in Rechnung gestellt. Der Nutzer profitiert von der Risikominimierung, Arbeits-, Zeit- oder Geldersparnissen.

Community-Model

Internetnutzer generieren hierbei eigene Inhalte, die auf der jeweiligen Internetplattform wiederum anderen Nutzer publiziert bzw. zur Verfügung gestellt werden. Das Modell an sich generiert keinen originären, monetären Erlös, maximal noch einen psycholgischen. Die meisten Communities außerhalb von Xing haben es bisher nicht geschafft eigene nachhaltige Erlösmodelle aufzubauen. Deshalb müssen hier wiederum werbebasierte Ansätze und Premiumdienstleitungen herhalten, um diese Geschäftsmodell am Leben zu erhalten. Einige Geschäftsmodelle werden sicherlich überleben, aber längst nicht alle, da insbesondere die enormen traffic-Kosten, die meisten Communities mittelfristig ins Jenseits befördern werden. Die Herausforderung hier heisst mit Sicherheit traffic-Monetarisation, ein universelles Erfolsmodell hat sich bisher allerdings noch nicht herauskristallisiert. Ob es die Nutzer von Communitier mittelfristig dulden werden, dass ihre zum Teil sehr persönlichen Daten im Internet vermarktet werden, bleibt zudem fraglich. Mal ganz nunabhängig von datenschutzrechtlichen Problematiken. Der antinome Zielkonflikt zwischen dem kommerziellen Ziel auf der einen Seite und der ursprünglichen Intention die Privatsphäre anderen zugänglich zu machen ist zudem auch noch nicht aufgelöst.

Händler/Herstellermodell

Das Internet dient Herstellern dazu ihre Produkte direkt und/oder indirekt an andere Händler oder Endkunden zu vertreiben und ist somit eine weitere Vertriebsschiene im Vetriebskonzept. Das Internet sorgt hierbei für eine hohe Preistransparenz und eine starke Wettbewerbssituation. Kunden können sich in kürzester Zeit einen guten Überblick über das aktuelle Preisgefüge und/oder Produktinformationen in einem Markt verschaffen ohne hier direkte Anfragen starten zu müssen. Bei diesem Geschäftsmodell tritt das Internet in unmittelbare Konkurrenz zum stationären Handel, bei deutlich besseren Fixkostenstrukturen. Allerdings darf hierbei der meist sehr hohe Marketingaufwand, der größtenteils google-induziert ist, nicht außer acht gelassen werden. Zweistellige Marketingbudget sind hierbei keine Seltenheit vor dem Hintergrund einer mittelfristigen Erfolgsstrategie. Ganze Branchen, wie beispielsweise die Musikindustrie kämpfen schon seit Jahren mit der scheinbar nachhaltigen Erfolglosigkeit des eigenen Geschäftsmodells.

Selbstverständlich basieren viele Geschäftsmodelle im Internet nicht auf den hier dargestellten “sortenreinen” Geschäftsmodellen, sondern sind hybride Formen bzw. basieren auf entsprechenden Kombinationen der hier dargestellten Geschäftsmodelle.

Kommentare jederzeit herzlich willkommen.

Dirk Stader

Spaltung, Ausgliederung, Verschmelzung – eine Zusammenfassung

Oktober 28th, 2009

Vorbemerkung:

Die Spaltung unterscheidet sich von der Verschmelzung durch Vermögensübertragung im Wege partieller Gesamtrechtsnachfolge. Neben der hier nicht in Betracht kommenden Aufspaltung (§ 123 Abs. 1 UmwG) sind noch die Abspaltung (§ 123 Abs. 2 UmwG) sowie die Ausgliederung (§ 123 Abs. 3 UmwG) zu unterscheiden. § 125 Satz 1 UmwG ordnet für die Spaltung  – mit wenigen Ausnahmen – eine entsprechende Anwendung der für die Verschmelzung geltenden Vorschriften an (§§ 2 – 122 UmwG).

Bei der Abspaltung ist die Gegenleistung für die Vermögensübertragung den Anteilseignern des übertragenden Rechtsträgers zu gewähren.

Die Ausgliederung entspricht der Abspaltung mit der Besonderheit, dass die Anteile des übernehmenden Rechtsträgers nicht den Anteilseignern des übertragenden Rechtsträgers, sondern dem übertragenden Rechtsträger selbst zu gewähren sind. Für den übertragenden Rechtsträger stellt sich die Ausgliederung als ein (wertgleicher) Tausch der ausgegliederten Vermögensgegenstände und Schulden gegen die Anteile des übernehmenden Rechtsträgers dar (WPH II 2002, E 105).

Besondere Fragestellungen

1. Frage:

Kann ein Verschmelzungsvertrag, der bspw.  im Jahr 2007 geschlossen wird, auf den 31.12.2006 zurückbezogen werden?

Antwort:

Unabhängig vom vereinbarten Spaltungsstichtag liegt das wirtschaftliche Eigentum des zu übertragenden Vermögens am Abschlussstichtag bei dem übertragenden Rechtsträger. Die Beschlussfassung im neuen Jahr ist ein wertbegründendes Ereignis, dem unabhängig vom vereinbarten Spaltungsstichtag keine werterhellende Bedeutung über die Verhältnisse zum Abschlussstichtag beizumessen ist (IDW HFA 2/1977, 2.21.(1)).

2. Frage:

Kann bei Abschluss des Spaltungsvertrags in 2006 in den Jahresabschlüssen des übertragenden und übernehmenden Rechtsträgers die Vermögensübertragung bereits abgebildet werden, obwohl der zivilrechtliche Eigentumswechsel erst mit Eintragung der Spaltung in das Handelsregister des übernehmenden Rechtsträgers erfolgt.

Antwort:

Sind auf Abschlussstichtage vor der Eintragung der Spaltung Jahresabschlüsse der beteiligten Rechtsträger aufzustellen, so ist allgemein handelsrechtlichen Grundsätzen entsprechend für die Vermögenszuordnung nicht auf das zivilrechtliche Eigentum abzustellen, das erst mit Eintragung der Spaltung übergeht, sondern auf das wirtschaftliche Eigentum zum Abschlussstichtag.

Die geht nach Auffassung der Stellungnahme IDW HFA 2/1997 unter folgenden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen bereits vor Eintragung auf den übernehmenden Rechtsträger über:

  • Bis zum Abschlussstichtag muss ein Spaltungsvertrag formwirksam geschlossen worden sein; außerdem müssen die Spaltungsbeschlüsse sowie ggf. die Zustimmungserklärungen der Anteilseigner vorliegen.
  • Der vereinbarte Spaltungsstichtag muss vor dem Abschlussstichtag liegen oder mit diesem zusammenfallen.
  • Die Spaltung muss bis zur Beendigung der Aufstellung des Jahresabschlusses eingetragen sein oder es muss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden können, dass die Eintragung erfolgen wird.
  • Es muss faktisch oder im Spaltungsvertrag durch eine entsprechende Regelung im Spaltungsvertrag sichergestellt sein, dass der übertragenden Rechtsträger nur im Rahmen eines ordnungsgemäßen Geschäftsgangs oder mit Einwilligung des übernehmenden Rechtsträgers über die Vermögensgegenstände verfügen kann.

3. Frage:

Müssen die zu übertragenden Vermögensgegenstände und Schulden bereits im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses dem Grunde und der Höhe nach hinreichend bestimmt sein oder reicht deren Bestimmbarkeit dem Grunde nach, weil die Werte ja erst im Rahmen der Abschlusserstellungen ermittelt werden?

Antwort:

Gemäß § 126 Abs. 1 Nr. 9 UmwG ist die Aufteilung und genaue Bezeichnung der übergehenden Gegenstände des Aktiv- und Passivvermögens Bestandteil des Spaltungs- und Übernahmevertrags. Die Ausgliederung stellt einen als Tauschvorgang abzubildenden laufenden Geschäftsvorfall dar. Die als Gegenleistung erhaltenen Anteile sind nach den für Tauschgeschäfte entwickelten Regeln zu bewerten (IDW HFA 2/1997 Abschn. 32212.)

Im Fall der hier wahrscheinlichen Anwendung der Buchwertklausel des § 24 UmwG ist in den Spaltungsvertrag eine entsprechende Klausel aufzunehmen, dass sich der Wert der neuen Anteile nach den Buchwerten zum Abschlussstichtag richten wird.

Beschäftigungsmöglichkeiten für Angestellte in Deutschland 2009

Oktober 27th, 2009

Folgende Beschäftigungsmöglichkeiten für Angestellte bestehen derzeit für Unternehmen in Deutschland:

1. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung über EUR 400,00 monatlich (Normalfall):

Der Mitarbeiter erhält mehr! als EUR 400,00 Bruttogehalt monatlich und ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Höhe der Vergütung und die Anzahl der zu leistenden Stunden ist frei vereinbar. Der Mitarbeiter muss Abgaben in allen Sozialversicherungszweigen abführen sowie Lohnsteuern aus dieser Beschäftigung. Die zusätzlichen Kosten für den Arbeitgeber aus den Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung betragen ca. 23 % zusätzlich zum Bruttogehalt des Mitarbeiters.

2. Minijobber auf 400,00-Euro-Basis (Normalfall):

Ein Arbeitnehmer kann in einem oder mehreren so genannten Minijobs bis zu EUR 400,00 insgesamt als Bruttoeinkommen erzielen. Das Geld wird dem Mitarbeiter brutto für netto ausgezahlt, so dass er in seiner Abrechnung keine Nebenkosten als Abzug erhält. Die Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber betragen 30 %, welche zusätzlich zu den EUR 400,00 vom Arbeitgeber allein zu tragen sind.

3. Beschäftigung eines Werkstudenten (Ausnahme):

Ein Werkstudent darf in einem Unternehmen bis zu 20 Wochenstunden leisten und erhält hierfür ein Bruttogehalt, welches steuer- und sozialversicherungspflichtig ist.

Die Sozialversicherungspflicht beschränkt sich jedoch lediglich auf die Rentenversicherungsbeiträge, welche hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu tragen sind.

Der Arbeitgeber leistet zu diesem Beschäftigungsverhältnis einen Arbeitgeberanteil in Höhe von 9,95 % zusätzlich. Der Arbeitnehmer hat einen Abzug in der Sozialversicherung in Höhe von ebenfalls 9,95 % von seinem Bruttogehalt. Die Lohnsteuer wird individuell dem Arbeitnehmer nach seiner Lohnsteuerklasse abgezogen. Der Arbeitnehmer muss ordentlicher Student einer staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland oder dem europäischen Ausland sein.

4. Pflichtpraktikum im Angestelltenverhältnis (Ausnahme):

Ein Arbeitnehmer kann sozialversicherungs- und steuerfrei abgerechnet werden, wenn er ein Pflichtpraktikum in Ihrem Unternehmen absolviert. Der Arbeitnehmer muss ordentlicher Student einer staatlich anerkannten Hochschule sein und in dessen Studienordnung muss ein solches Praktikum vorgeschrieben sein. Die Vergütung des Praktikums muss sich auf einen Auslagenersatz und eine dem Studenten angemessene Unterstützung während der Zeit des Praktikums beschränken. Die Vergütung muss also deutlich unter Vergütungen anderer Angestellter des Unternehmens liegen und sollte lediglich Aufwandsersatzcharakter besitzen. Das Praktikum kann in Vollzeit abgeleistet werden, muss aber in seiner Gesamtdauer zeitlich begrenzt sein, welches aus der Studienordnung des Praktikanten zu entnehmen sein muss. Für den Arbeitgeber entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Beschäftigung eines Praktikanten.

Alle anderen Praktikanten (also Nicht-Pflichtpraktikanten) müssen in eine der anderen Kategorien eingeordnet werden!

Produktentwicklung in Unternehmensnetzwerken

Oktober 27th, 2009

1.                Der Stellenwert der Produktentwicklung im Unternehmen

Für das einzelne Unternehmen stellen Produktentwicklungen einen maß­geblichen Faktor für Produktivitätssteigerungen dar, so daß als unterneh­merische Oberziel – die Gewinnmaximierung – erreicht werden kann.[1] Eine primäre Aufgabe des Unternehmens besteht darin, neue Marktbedürfnisse und -chancen zu erkennen und darauf mit geeigneten und effektiven Pro­duktlösungen zu reagieren. Einer Studie des Ifo-Informationsdienstes zufol­ge, weisen erfolgreiche Unternehmen höhere Wachstumsraten auf als we­niger erfolgreiche, weil sie in größerem Umfang neue Produkte einführen.[2] Holistisch betrachtet stimulieren Produktentwicklungen das Wirtschafts­wachstum und verbessern – Umweltverträglichkeit vorausgesetzt – die Le­bensqualität des einzelnen Individuums und der Gesellschaft als Ganzes.

Obwohl Produktentwicklungen für den Fortbestand sowohl des einzelnen Unternehmens als auch ganzer Branchen notwendig sind, sehen sich viele Unternehmen mit großen Schwierigkeiten konfrontiert, wenn Produkte ent­wickelt und anschließend vermarktet werden sollen. 50% aller Aufwendun­gen für Produktentwicklungen werden für erfolglose Projekte verwendet.[3] Hier entstehen den Unternehmen Entwicklungskosten, ohne daß entspre­chende Rückflüsse erwartet werden können.

Insbesondere in Märkten, die durch kurze oder kürzer werdende Produktle­benszyklen – ohne eine entsprechende Anpassung der Produktentwick­lungszeiten -, gesteigerte Komplexität unternehmerischen Handelns und verstärkte Unsicherheit bei Entscheidungen gekennzeichnet sind, kommt der Produktentwicklung eine zentrale Bedeutung für den Erfolg eines Unterneh­mens zu. Primäre Aufgabe des Unternehmens ist es, die Rate der erfolgrei­chen Produktentwicklungen zu erhöhen.[4]

2.                Der Produktentwicklungsprozeß

Der Prozeß der Produktentwicklung besitzt eine komplexe Struktur und ist abhängig von den unternehmens- und situationsspezifischen Gegebenhei­ten. Cooper weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß es kein allge­meingültiges, typisches Modell gibt, das den Produktentwicklungsprozeß im Detail und mit allen Ausprägungen abbildet.[5]

2.1              Modelle des Produktentwicklungsprozesses

2.1.1           Abteilungsphasenmodelle[6]

Die Abteilungsphasenmodelle sind einfache Modelle, die die Phasen der Produktentwicklung in bezug auf die einbezogenen Abteilungen bzw. Funk­tionsbereiche des Unternehmens beschreiben (vgl. Abb. 1 und Abb. 2). Diese Modellart listet lediglich die beteiligten Abteilungen auf, zeigt aber weder Überlappungen zwischen den Abteilungen noch die einzelnen Aktivitäten in der jeweiligen Phase.

2.1.2           Aktivitätsphasenmodell[7]

Der Prozeß der Produktentwicklung beinhaltet bis zu sieben verschiedene Aktivitäten in logischer Ordnung, die interdependent miteinander verbunden sind. In der ersten Phase des Aktivitätsphasenmodells steht die Strategiede­finition (Define New Product Strategy), eine Maßnahme im Rahmen der strategischen Planung des Unternehmens, an der die verschiedenen Abtei­lungen bzw. Funktionsbereiche interaktiv beteiligt sind und in engen Kontakt treten. Die unterschiedlichen Anforderungen an das neue Produkt – Produkt­design, Kostenkontrolle, Kundenbedürfnisse, Qualitätsaspekte etc. – werden somit schon in der frühen Produktentwicklungsphase berücksichtigt. Die Strategiedefinition beeinflußt alle nachfolgenden Phasen der Produktent­wicklung, insbesondere aber die zweite Phase der Ideenfindung (Idea Generation).

Von Hippel[8] kommt nach umfassenden Studien zu dem Schluß, daß der Prozeß der Ideenfindung ein kundenaktiver Prozeß oder ein produzentenak­tiver Prozeß ist, je nachdem, welche Partei den Prozeß der Produktentwick­lung initiiert. Kotler/Bliemel hingegen differenzieren die Quellen der Ideenfin­dung stärker und betonen, daß neue Ideen von Kunden, Wissenschaftlern, Zwischenhändlern, Universitäten, Patentanwälten usw. entwickelt werden können.[9]

In der dritten Phase erfolgt eine Überprüfung (Screening) aller Ideen auf technische Durchführbarkeit, Eingliederung in das Produktmix, finanzwirt­schaftliche Tragbarkeit, Synergieeffekte etc.; ein Managementprozeß, unmit­telbar bevor das Produkt in die eigentliche, kostenintensive Produkt­entwick­lung (Product Design and Development) wechselt. In der Phase der Produktentwicklung werden die Marketinganforderungen an das neue Pro­dukt in ein technisches, marktorientiertes Design gebracht.

Anschließend durchläuft das Produkt die sogenannte Testphase (Testing), in der sowohl die Produktidee, das Produktkonzept und das Produktimage unter Marktverhältnissen erprobt wird, bevor es letztendlich zur Marktein­führung (Commercialization) des Produktes kommt.

Aktivitätsphasenmodelle stellen eine objektive Verbesserung der Abtei­lungsphasenmodelle dar, da sie eine eindeutige Aufgabenstellung für jede Phase geben, die einzelnen Phasen exakter abgrenzen – obwohl Über­schneidungen möglich sind – und den eigentlichen Entwicklungsprozeß auf die jeweiligen Aktivitäten herunterbrechen und nicht auf die zuständigen Abteilungen. Eine Schwachstelle dieses Modells ist die Annahme einer relativ starren Ordnung der einzelnen Phasen, die eine Produktentwicklung nach­einander durchläuft und das Fehlen von sog. Feedback-Loops, die es er­möglichen, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren.[10]

2.1.3           Entscheidungsphasenmodelle

Bei Entscheidungsphasenmodellen wird die Prämisse zugrunde gelegt, daß sich der Produktentwicklungsprozeß in eine Folge von Entscheidungen auf­teilt, die auf jeweils aktuellen Informationen basieren. Die einzelnen Phasen sind durch eine gewisse Anzahl von Aktivitäten gekennzeichnet: der Infor­mationsbeschaffung zwecks Reduzierung von Unsicherheiten, der Bewer­tung der jeweiligen Informationen und der eigentlichen Entscheidung bei gleichzeitiger Identifikation der noch verbleibenden Unsicherheiten.[11] Die Entscheidungsphasenmodelle sind Ausprägungen der Aktivitätenphasen­modelle mit den entsprechenden Vorteilen. Aufgrund der permanenten Be­wertung von Entscheidungen eignen sich diese Modelle darüber hinaus für Wahrscheinlichkeitsanalysen, Computer-Simulationen und entscheidungs­theoretische Verfahren.[12]

2.1.4           Umwandlungsprozeßmodelle

Hauptkritik der Phasenmodelle liegt darin, daß diese den Produktentwick­lungsprozeß als eine geordnete, logische Sequenz darstellen und rationales Verhalten unterstellen, das in der Praxis nicht immer zu beobachten ist.[13] Die Umwandlungsprozeßmodelle (Abb. 3) betrachten den Prozeß der Produkt­entwicklung als ein System mit spezifischen Inputs – Information, Aktivitäten, Ressourcen – und Outputs, bei dem der eigentliche Prozeß, die Umwand­lung, als sogenannte Black-Box dargestellt wird. Diese Modellart ist jedoch nicht geeignet, dem Management detaillierte Handlungsanweisungen zu liefern, da sie weder die jeweils notwendigen Aktivitäten beschreibt noch den Produktentwicklungsprozeß in geeigneter Weise gliedert. Der Entschei­dungsträger kann somit kein System genereller Regeln für sein Handeln ab­leiten.[14]

2.1.5           Reaktionsmodelle

Bei den Reaktionsmodellen wird der Prozeß der Produktentwicklung als S-O-R-Modell dargestellt. Diese Betrachtungsweise differenziert nach Stimulus­va­riablen, Variablen des Organismusses und Reaktionsvariablen. Aus­gangs­punkt von Produktentwicklungen in Reaktionsmodellen sind die von Indivi­duen oder Organisationen wahrgenommenen Veränderungen, die eine Informationssuche auslösen und in einer Bewertung der Ergebnisse und entsprechenden Reaktionen enden.

2.2              Bewertung der Produktentwicklungsprozeß-Modelle[15]

Die Vielzahl von unterschiedlichen Modellen, die den Produktentwicklungs­prozeß abbilden, ist darauf zurückzuführen, daß jedes einzelne einer unter­schiedlichen Zielsetzung genügt und andere Schwerpunkte setzt. Die Um­wandlungsprozeßmodelle beschreiben nicht den aktuellen Produktentwick­lungsprozeß, während Reaktionsmodelle lediglich eine spezifische Phase des Entwicklungsprozesses abbilden. Abteilungsphasenmodelle betrachten die beteiligten Abteilungen und nicht die mit der Produktentwicklung ver­bundenen Aktivitäten. Gerade die Betrachtung der Aktivitäten ermöglicht die Umsetzung des Modells in allgemeine Handlungsanweisungen oder sogar in ein System genereller Regeln. Die Entscheidungsphasenmodelle erweitern die Aktivitätsphasenmodelle durch einen stärkeren Realitätsbezug und grö­ßere Flexibilität.

2.3              Produktentwicklung, Adoption und Diffusion als verbundene Prozesse

Der Prozeß der Produktentwicklung ist eng verbunden mit dem der Adoption und der Diffusion (Abb. 4).[16] Adoption[17] ist die Annahme einer Innovation durch Käufer. Den Kaufentscheidungsprozeß bei neuen Produkten versucht man über Adoptionsmodelle zu erfassen. Die zeitliche Abfolge verschiede­ner Adopterkategorien (Innovatoren, Frühadopter, frühe Mehrheit, späte Mehrheit, Nachzügler) ist Gegenstand der Diffusionsforschung.

Diffusion[18] ist die Ausbreitung innovativer Ideen, Produkte, Verfahren usw. in sozialen Systemen im Zeitablauf durch persönliche und/oder unpersönliche Kommunikation. Das Diffusionsmodell gibt wichtige Hinweise für den Einsatz der marketingpolitischen Instrumente.

Detaillierte Kenntnis der Adoptionsprozesse sowie die Wahrnehmung des engen Bezuges zwischen Produktentwicklungsprozeß und Adoption unter­stützt das Unternehmen bei der Produkteinführung: “Industrial buying beha­viour can not be studied in isolation from industrial marketing behaviour.”[19]

3.                Beziehungen, Interaktionen und Netzwerke beim Produktent­wicklungsprozeß

Die Verbundenheit des Produktentwicklungsprozesses mit Adoption und Diffusion vergrößert den Kreis derjenigen Marktteilnehmer, die unmittelbar und mittelbar an der Produktentwicklung beteiligt sind. Die Marketing-Wis­senschaft wird dieser Tatsache gerecht, indem sie unterschiedliche Ansätze liefert, die die einzelnen Parteien und Beziehungen in bezug auf den Produk­tentwicklungsprozeß beschreiben.

3.1              Der Produzent als Initiator des Produktentwicklungsprozesses

Viele Studien und Modelle betrachten den Prozeß der Produktentwicklung aus der Sicht des produzierenden Unternehmens und richten ihre Aufmerk­samkeit vorrangig auf die Verbesserung der Erfolgsraten bei der Produktein­führung. Die Hauptessenz dieser Studien ist eine Empfehlung an die Produ­zenten, einen möglichst rationalen und einfachen Produktentwicklungspro­zeß zu benutzen, der nach Aktivitäten gegliedert ist.[20] Die Initiative liegt beim Produzenten: “Much is said about actions and very little about reactions.”[21]

3.2              Der Verwender/Kunde als Initiator des Produktentwicklungs­prozesses

Wenige Studien haben die aktive Rolle des Verwenders/Kunden am Produk­tentwicklungsprozeß erkannt. Von Hippel hat ein “customer-active”-Paradigma entwickelt, das er dem älteren “manufacturer-active”-Paradigma vergleichend gegenüberstellt. Durch seine Studien im Investitionsgüterbe­reich weist von Hippel nach, daß viele Produktentwicklungsprozesse durch den Verwender/Kunden initiiert werden (Tab. 1)

Von Hippel stellt die Hypothese auf, daß das “manufacturer-active”-Para­digma vornehmlich für Konsumgütermärkte relevant ist und das “customer-active”-Paradigma für den Investitionsgüterbereich.[22] Die Aktivitäten seitens des Verwenders/Kunden beschränken sich nicht auf bloße Ideenfindung, sondern der Verwender kann ein Problem oder einen Bedarf identifizieren, generelle Lösungen anbieten, die Produktfunktionen spezifizieren oder sogar ein komplettes Produktdesign liefern.[23]

Diese Ergebnisse werden auch in ihrer Tendenz von anderen Studien (siehe zum Beispiel Axelsson and Håkansson [1984]) bestätigt.

3.3              Produktentwicklung als ein interaktiver Prozeß zwischen Verwendern/Kunden und Produzenten

In den vorher beschriebenen Ansätzen lag die Initiative jeweils bei einer Partei. Eine alternative Betrachtungsweise ist die Kombination von Verwen­der/Kunde und Produzent, die eine aktive Rolle in einem interaktiven Produk­tentwicklungsprozeß übernehmen. Die Studie der International Marketing and Purchasing Project Group (IMP-Studie) identifizierte eine große Anzahl von gemeinsamen Entwicklungsaktivitäten zwischen Anbieter und Abneh­mer.

3.3.1           Das Interaktionsmodell der IMP-Group

Das theoretische Rahmenwerk des IMP-Interaktionsmodells besteht aus vier verschiedenen Gruppen von Variablen, die die Interaktion zwischen kaufen­den und verkaufenden Unternehmen beschreiben (Abb. 5) und die auf den Produktentwicklungsprozeß übertragen werden können. “Organisationen werden als soziale Systeme durch ihre Elemente, die Beziehungen zwischen den Elementen und durch die Beziehungen zur Umwelt charakterisiert.”[24]

3.3.1.1        Der Interaktionsprozeß

Der Produktentwicklungsprozeß als interaktives Modell ist ge­kennzeichnet durch kurzfristige Episoden. Zwischen Verwender/Kunde und Produzent kommt es zum Austausch von Produkten, Informationen, finan­ziellen Mitteln und sozialen Beziehungen. Beispielsweise liefert der spätere Verwender des Produktes ein spezielles Bauteil oder das Know-how für eine Produktfunkti­on, oder er unterstützt den Produzenten mit Spezialisten, um ein Produktde­sign zu realisieren, das seinen Anforderungen entspricht. Eine mögliche Ko­operation im Produktentwicklungsbereich könnte auch die ge­meinsame Finanzierung von Produktentwicklungen sein, so daß die Kosten nicht allein vom Produzenten getragen werden müssen.

Langfristig bauen sich Beziehungen auf, die durch gewisse Erwartungshal­tungen und Verantwortlichkeiten gegenüber dem Partner gekennzeichnet sind. Es kommt zu Anpassungen zwischen den beiden Par­teien, die das gegensei­tige Vertrauen stärken, die Beziehung insgesamt festigen und die Basis für weitere Kooperationen bilden.

3.3.1.2        Die Interaktionsparteien

Der Prozeß der Interaktion und die Beziehungen zwischen Organisationen sind nicht nur abhängig von den einzelnen Elementen des Interaktionspro­zesses, sondern auch von den jeweiligen Charakteristika der Interaktions­par­teien. Das Ausmaß der vorhandenen Technologie in den beiden Part­nerunternehmen ist entscheidend für das Innovationsverhalten, den Infor­mationsbedarf und die Interaktionsbereitschaft. Unternehmen, de­ren Tech­nologie ähnlich ist, werden andere Interaktionsformen finden als Unterneh­men mit sehr unterschiedlicher Technologie. Die Größe eines Un­terneh­mens, seine Struktur und Strategie prägen das Beziehungsgeflecht im In­teraktionsmodell. Der Prozeß der Produktentwicklung wird zusätzlich be­einflußt durch die Erfahrungen, die beide Unternehmen mit Interaktionen haben. So wird beispielsweise ein Unternehmen mit positiven Erfahrungen aus früheren Interaktionen eher bereit sein, mit diesem oder anderen Part­nern Produkte gemeinsam zu entwickeln und so das unternehmerische Risi­ko zu reduzieren.

3.3.1.3        Das Interaktionsumfeld

Die Beziehungen zwischen Käufer und Verkäufer auf Märkten können nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in die Marktstruktur, die spezifi­sche Dynamik der Marktsituation, die voranschreitende Internationalisierung und das soziale System eingeordnet werden.[25]

In einer sehr homogenen Marktstruktur werden Unternehmen aus Gründen des Wettbewerbs mit an­deren Partnern gemeinsame Produktentwicklun­gen anstreben, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und die Bedürfnisse des Verwen­ders/Kunden besser zu befriedigen, als alle anderen in Betracht gezogenen Wettbewerber (Komperative Konkurrenzvorteile). Die Verflech­tungen im so­genannten “manufacturing channel” werden Einfluß nehmen auf die Pro­duktentwicklung, da die Anforderungen an das Produkt jeweils an den nächsten Produzenten weitergegeben werden und somit ein Produkt nach­gefragt wird, dessen Design allen Anforderungen entspricht.

Produziert beispielsweise Produzent A elektronische Bauteile für Produ­zent B, der seinerseits Aggregate für Produzent C – den Elektromaschi­nenhersteller – entwickelt, so werden die Funktionsanforderungen des entsprechenden Bauteils von C über B bis schließlich nach A weiterge­geben, der diese bei seiner Produktentwicklung berücksichtigen muß.

3.3.1.4        Die Atmosphäre

Aus den einzelnen Episoden entwickelt sich zwischen anbietender und nachfragender Organisation die sogenannte Atmosphäre, die durch das Kräfteverhältnis der beiden Parteien, ihren Kooperationsstatus, ihren gegen­seitigen Erwartungen und die Intensität ihrer Beziehungen beschrieben wird.[26]

In ihrer ökonomischen Dimension reduziert die Atmosphäre beispielsweise die Transaktionskosten, da eine nähere Verbindung zum Partnerunterneh­men die Distribution, gegenseitige Verhandlungen und administrative Maß­nahmen effektiver gestaltet. Beide Parteien können den Produktentwick­lungsprozeß des Partners besser kontrollieren. Zusätzlich ist eine gerechtere Verteilung der Produktentwicklungskosten möglich und die einzelnen Partei­en können von der Kompetenz, den Möglichkeiten und den Ressourcen des anderen profitieren.[27]

Das Verhältnis zwischen den Interaktionsparteien kann kooperativ, aber auch konfliktionär sein. Konfliktpotential zwischen den Partnern bewirkt Inno­vation und Entwicklung, wenn es konstruktiv genutzt wird.[28] Die Atmosphäre, die nicht direkt gemessen werden kann, stellt den Zusammenhang zwi­schen den anderen Elementen her.[29]

3.4              Produktentwicklung in einer Netzwerkperspektive

Hauptkritikpunkt gegen die bis jetzt dargestellten Ansätze ist deren Konzen­tration auf einen (siehe 3.1, 3.2) oder einige Akteur(e) (3.3). Die Studie der IMP-Group beschränkt sich auf die Darstellung der Beziehungen zwischen anbie­tender und nachfragender Organisation, ohne das Verhältnis in einen Ge­samtkontext zu setzen.

Der schwedische Unternehmensteil der IMP-Group und viele andere Wis­senschaftler gehen mit ihren Ansätzen über einfache Produzenten-Verwen­der/Kunden-Beziehungen hinaus und postulieren die Einbeziehungen von mehreren Akteuren in das Denkmodell.[30] Das produzie­rende Unternehmen operiert dann innerhalb eines Netzwerkes, das sich aus einer Vielzahl von Unternehmen zusammensetzt, die durch individuelle, in­teraktive Beziehun­gen miteinander verbunden sind. Eine Produktentwick­lung ist dementspre­chend nicht als Produkt eines Akteurs zu sehen, sondern vielmehr als ein Ergebnis eines Netzwerkes von Akteuren.[31]

3.4.1           Gründe für die Implementierung des Netzwerkansatzes – als Weiterentwicklung des Interaktionsmodells – beim Produk­tentwicklungsprozeß

Neben den Gründen, die für die Implementierung des Interaktionsansatzes sprechen, existieren weitere Gründe, die darüber hinaus die Implementie­rung des Netzwerkansatzes unterstützen.

Neue (Er-)Kenntnisse in Zusammenhang mit Produktentwicklungen und/oder Prozeßentwicklungen tauchen oft an der Schnittstelle zwischen zwei Wissensgebieten auf. Aus der Kombination des gemeinsamen Wissens und der Erfahrungen können neue Produktideen entstehen. Im Rahmen von interaktiven Effekten werden beispielsweise die Bedürfnisse des Verwen­ders/Kunden mit den technischen Möglichkeiten des Produzenten abge­stimmt und beide Partner erhalten die Gelegenheit, die Bedürfnisse und Möglichkeiten zu revidieren und neu zu definieren.[32] Die Austauschsituation innerhalb des Netzwerkes kann eine Schnittstelle zwischen den verschiede­nen Spezialisten darstellen, die ihre Kompetenz gemeinsamen Produktent­wicklungen zur Verfügung stellen.

Jedes Produkt, jede Serviceleistung und jedes System ist abhängig von an­de­ren Produkten, Serviceleistungen und Systemen und kann dement­spre­chend nicht isoliert betrachtet werden. Dies erfordert vom einzelnen Unter­nehmen die Anpassung der eigenen Produkte an andere bereits im Netz­werk vorhandene oder in der Entwicklung stehende Produkte. Der Pro­duk­tentwicklungsprozeß ist eine Kombination aus Lernen, Anpassung und So­zialisierung mit einer entsprechenden Mobilisierung der zur Verfügung ste­henden Ressourcen.[33]

Der Unternehmung stehen Ressourcen nicht in unbegrenztem Umfang zur Verfügung, so daß eine Spezialisierung bei der Produktentwicklung not­wendig ist: “It is stupid to try to develop products by yourself that can be much more effectively developed by a supplier.”[34] Dieser Spezialisierungsef­fekt geht einher mit einer Reduzierung der Produktmöglichkeiten, so daß kleine hochspezialisierte Entwicklungseinheiten entstehen, die koordiniert werden müssen.

3.4.2           Der Netzwerkansatz

Die dyadische Sichtweise des Interaktionsansatzes, der sich auf die Anbieter-Nachfrager-Beziehung beschränkt, kann durch den Netzwerkansatz erwei­tert werden, der sich um eine holistisch-dyadische Darstellung bemüht.

Håkansson identifizierte drei Basiselemente von Netzwerken: Akteure, Aktivi­täten und Ressourcen (Abb. 6).

Die Akteure im Netzwerkmodell verrichten die Aktivitäten und kontrollieren die Ressourcen. Ihr Hauptanliegen ist die Kontrolle des Netzwerkes zu ihren Gunsten. Durch ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen sowie durch ihre Beziehungen im Netzwerk versuchen die Akteure, ihre Position zu verbes­sern: “They are networking.”[35]

Viele Akteure beeinflussen den Produktent­wicklungsprozeß im Netzwerk: Anbieter von Produktequipment, Produkt­komponenten und Materialien etc., Kunden oder Kundenkunden, For­schungsinstitute und Universitäten, exter­ne Berater oder Produzenten von Komplementärprodukten und Wettbe­werber sind potentielle Kooperations­partner, die den Produktentwick­lungsprozeß beeinflussen. Sie verfügen über spezielle Ressourcen und In­formationen über Aktivitäten, Ressourcen und andere Akteure, die einen interaktiven, netzwerkabhängigen Produktent­wick­lungsprozeß er-möglichen.

Die Akteure verrichten Aktivitäten, indem sie Ressourcen kombinieren, ent­wickeln und austauschen. Es gibt zwei Kategorien von Aktivitäten: Die Transformationsaktivitäten werden von einem Akteur kontrolliert, in dem er eine Ressource durch die Verwendung anderer Ressourcen verbessert. Transaktionsaktivitäten verbinden Transformationsaktivitäten, bilden Aktivi­tätsketten und schaffen Beziehungen zu anderen Akteuren. Die Kombinatio­nen von Aktivitäten bildet mehr oder weniger repetitive Aktivitätszirkel, in de­nen sich bestimmte interdependente Aktivitäten wiederholen.

Im Netzwerk lernen die Akteure den Produktentwicklungsprozeß so durchzu­führen, daß Aktivitätszirkel und Transaktionsketten effektiver gestaltet wer­den. Ein typischer Aktivitätszirkel in industriellen Netzwerken ist der der Pro­duktentwicklung, der Produktion und der Verwendung des Produkts.[36] Jede einzelne Aktivität ist gleichzeitig Bestandteil von mehreren Aktivitätszirkeln (Abb. 7); so ist beispielsweise die Produktentwicklung sowohl Bestandteil des Aktivitätszirkels Produktentwicklung –> Produktion –> Konsum als auch des Aktivitätszirkels Investition –> Konsum (Konsum derjenigen Maschinen und Dienstleistungen, die für die Produktentwicklung notwendig sind).[37]

Grundlage der Aktivitäten sind die Ressourcen. Durch die Kombination von Ressourcen entsteht neues Wissen, das alte Aktivitätszirkel verändert oder auflöst und die gesamte Netzwerkstruktur beeinflußt. “The only limitation of combinations of resources is that of human creativity.”[38] Ressourcen und Aktivitäten beeinflussen sich gegenseitig, so daß eine Veränderung der Ak­tivitäten eine Veränderung der Ressourcen nach sich ziehen kann, et vice versa.

3.4.3           Der Zusammenhang zwischen Produktentwicklung und technischer Entwicklung

Die Produktentwicklung in einer Netzwerkperspektive kreiert Beziehungen zwischen Aktivitäten, Ressourcen und Akteuren. In diesem Zusammenhang kann die Produktentwicklung als Netzwerkfaktor betrachtet werden, der an­dere Aktivitäten, Ressourcen und Akteure im Netzwerk beeinflußt. Der Pro­duktentwicklungsprozeß des einzelnen Unternehmens kann somit nur im Zusammenhang mit der technologischen Gesamtentwicklung des Netz­werkes betrachtet werden.

3.4.3.1        Aktivitäten, die die technische Gesamtentwicklung des Netzwerkes beeinflussen

Das Netzwerkmodell ist kein statisches sondern ein dynamisches Modell, da es sich im Zeitablauf permanent verändert. Nach Carlsson[39] beeinflussen drei Ar­ten von Aktivitäten die technische Gesamtentwicklung:

Realkapitalinvestitionen beinhalten die Entwicklung von Produktequipment und/oder neuer Produktionsprozesse und stellen somit Veränderungen der Transaktionsaktivitäten dar.

Im Wood Saw[40]-Beispiel beschreibt Håkansson eine bedeutende Ver­änderung im Realinvestitionsverhalten der Sägemühlen, als Akteure des Wood Saw-Netzwerkes in den 70er Jahren:

Ursprünglich erwarben die Sägemühlen einzelnes Produktequipment, das dann zu Systemen zusammengefügt wurde. In den 70er Jahren veränderten die Sägemühlen jedoch ihr Realinvestitionsverhalten und erwarben nunmehr komplette Sägelinien, da sich aufgrund der voran­geschrittenen technologischen Gesamtentwicklung einzelnes Produk­tequipment nur noch schwer kombinieren ließ. Das neue Equipment war ein Resultat der engen Kooperation zwischen Sägemühlen und Equipmentproduzenten.

Tag-für-Tag-Rationalisierungen sind alle auch noch so geringfügigen Änderungen im Tagesgeschehen, die die Effektivität der Transformations- und Transaktionsaktivitäten und deren Kombination verbessern.

Die Tag-für-Tag-Rationalisierungen im Wood Saw-Netzwerk wirkten sich beispielsweise in erster Linie auf die Produktionsparameter Ge­schwin­digkeit und Genauigkeit des Produktionsprozesses aus.

Produktentwicklungen, letztendlich, sind Veränderungen der Transaktions­aktivitäten, die bis zu einem gewissen Grad auch Veränderungen der Transformationsaktivitäten bewirken.

Produktentwicklung bei den Sägemühlen betrafen in erster Linie die Oberflächen und die Genauigkeit der produzierten Güter.

Die Kombination dieser drei Aktivitäten im Netzwerk bestimmt die technolo­gische Gesamtentwicklung und kann als Lernprozeß[41] aufgefaßt werden.

3.4.3.2        Chancen und Risiken des einzelnen Netzwerkakteurs

Aus der Sicht eines einzelnen Akteurs kann die Netzwerkperspektive Mög­lichkeiten eröffnen aber auch Beschränkungen beinhalten.

3.4.3.2.1     Das Netzwerk als Hindernis für Veränderungen

Verändert ein Netzwerkakteur sein Produkt, so zieht das Veränderungen innerhalb des Beziehungs- und Abhängigkeitsgeflechts nach sich, die mit entsprechenden Kosten verbunden sind.[42]

Technische Abhängigkeiten entstehen dadurch, daß individuelle Produkte mit anderen Produkten innerhalb eines technischen Systems verwendet werden. Die Produktentwicklung und anschließende Markteinführung setzt die Produktakzeptanz seitens der anderen Produzenten voraus, die ihre ei­genen Produkte in geeigneter Weise anpassen.

Im Netzwerk existieren gewisse Informations- und Wissensabhängigkei­ten. Zum Beispiel muß der Verwender eines Produktes bestimmte Kennt­nisse besitzen, wenn er das Produkt gebrauchen will. Dementsprechend erfordert die Produkteinführung eine detaillierte Kenntnisvermittlung über die Gegebenheiten des Produktgebrauchs..

Das Netzwerk als soziales Konstrukt basiert auf den sozialen Beziehungen der Netzwerkakteure, so daß soziale Abhängigkeiten entstehen, die einem neu hinzukommenden Akteur den Netzwerkeintritt erschweren können. Gängige soziale Faktoren wie Werte und Normen etc. sind relevante Ein­flußgrößen.

Diese Typen von Abhängigkeiten kreieren zusammen mit zusätzlichen logi­stische und/oder administrative Abhängigkeiten starke Barrieren für Produktentwicklungen und -neueinführungen. Für den einzelnen Akteur ist die Wahrnehmung solcher Abhängigkeiten von großer Bedeutung, wenn er das Risiko und die Unsicherheit bei der Neuprodukteinführung reduzieren will.

3.4.3.2.2     Das Netzwerk als Quelle für neue Ressourcen und Ideen

Jeder Akteur im Netzwerk ist ein potentieller Kooperationspartner und dem­entsprechend eine mögliche Ressourcenquelle. Das einzelne Unternehmen findet zum einen Unterstützung bei der Ideenfindung für Neuproduktentwick­lungen, zum anderen ist auch die direkte Unterstützung bei der Produktent­wicklung denkbar.

Eine bedeutende Schwierigkeit bei der Entwicklung eines neuen Produktes ist die Einschätzung seitens des entwickelnden Unternehmens, inwiefern das Produkt im Netzwerk akzeptiert wird. Diese Unsicherheit kann nur durch eine ausgeprägte Testphase reduziert werden, wobei das Netzwerk der Überprü­fung und Einschätzung der Produktideen dient.

3.4.3.2.3     Das Netzwerk als Informationsmedium

Jedes Netzwerk ist ein ausgeprägtes Kommunikationssystem, in dem ein Akteur Informationen verbreiten und sammeln kann ohne direkten Kontakt zu allen Netzwerkakteuren zu haben. Dies eröffnet dem einzelnen Akteur die Möglichkeit, Kenntnisse in den verschiedensten technologischen Berei­chen zu erwerben, ohne daß er direkt in diese Beziehungen investieren muß.

4.                Managementimplikationen und abschließende kritische Würdigung des Netzwerkansatzes beim Produktentwick­lungsprozeß

Der Netzwerkansatz ist kein bloßes theoretisches Konstrukt ohne Praxisbe­zug, sondern kann in das strategische Entscheidungsgefüge der einzelnen Unternehmung eingebunden werden.

Kaum eine Unternehmung kann heute noch als völlig unabhängige Einheit betrachtet werden. Dieser Entwicklung muß das Management Rechnung tragen, indem entsprechende Abhängigkeiten schon im frühen Stadium des Produktentwicklungsprozesses berücksichtigt werden. Håkansson empfiehlt dem Management, von den Reaktionen der anderen Akteure zu lernen und nicht mehr völlig unabhängig zu planen.[43] Kooperationen sind für ihn ein bedeutendes Werkzeug, um Ressourcen zu mobilisieren und existierende Ressourcen effektiver zu nutzen.

Das Netzwerkkonzept ist für die Produktentwicklung von besonderer Rele­vanz, da die ständige wachsende Komplexität von Produkten einen interdis­ziplinären Wissenstransfer erfordert. Manches Produktdesign überschreitet das Know-how des Herstellerunternehmens, so daß der Produzent auf die Unterstützung von Universitäten, unabhängigen Forschungslaboratorien, möglichen Wettbewerbern, Kunden etc. angewiesen ist. Die gesteigerte Komplexität erhöht gleichzeitig die Nachfrage nach standardisierten Gütern, die untereinander kompatibel sind. Die Herstellerunternehmen sind darauf angewiesen, daß ihre Produkte von anderen Akteuren im Netzwerk akzep­tiert werden und entsprechende Anpassungen stattfinden.

Nicht zuletzt ist der Netzwerkansatz ein Mittel das Risiko und die Unsicherheit bei unternehmerischen Entscheidungen zu reduzieren, da gerade Innovatio­nen und Neuproduktentwicklungen teuere und mit hohem Risiko behaftete Aktivitäten sind.

Neben vielen Vorteilen des Netzwerkansatzes existieren jedoch auch eine Reihe von Problemen, die nicht zu unterschätzen sind: Kooperationen auf dem Gebiet der Produktentwicklung bedeuten für das einzelne Unterneh­men häufig die Preisgabe von unternehmensinternen Informationen, ge­heimen Rezepturen und Verfahrensweisen. Das Risiko, durch Netzwerktätig­keiten an Marktmacht zu verlieren, muß den entsprechenden Vorteilen ge­genübergestellt werden. “Although there is no simple solution to this, one important step is to be aware of it.”[44] Intime Beziehungen zu Kunden können die Neutralität zu anderen Kunden verletzen, so daß dem Unternehmen hier wertvolle Ressourcen verloren gehen können.

Der Netzwerkansatz ist für den Produktentwicklungsprozeß ein alternatives Denkschema. Geläufige Marketingaspekte, wie Kundenorientierung und das Denken in komperativen Konkurrenzvorteilen, finden ebenso ihre Beachtung, wie die modernen Ansätze des gesellschaftsorientierten Marketings und das Denken in komplexen Interaktionsstrukturen.¨


[1] Vgl.:     Avard, Catto and Davidson [1982]     S. 33-41

[2] Vgl.:     Kotler / Bliemel                [1992]     S. 485-488

[3] Vgl.:     Booz, Allen and Hamilton  [1982]     S. 14

[4] Vgl.:     Backhaus                        [1992]     S. 241

[5] Vgl.:     Cooper                            [1983]     S. 1-13

[6] Vgl.:     Robertson                        [1974]

[7] Vgl.:     Mahin                              [1991]     S. 311-320

[8] Vgl.:     von Hippel                        [1978]     S. 48

[9] Vgl.:     Kotler/Bliemel                  [1992]     S. 494-496

[10] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 34-35

[11] Vgl.:     Cooper and Moore            [1979]     S. 93-99

[12] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 35

[13] Vgl.:     Quinn                              [1985]     S. 83

[14] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 39

[15] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 40

[16] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 62

[17] Vgl.:     o.V.                                [1988]     Spalte 92

[18] Vgl.:     o.V.                                [1988]     Spalte 1252-1253

[19] Bonoma/Johnston            [1978]     S. 215

[20] Vgl.:     Håkansson                      [1987]     S. 84

[21] Håkansson                      [1987]     S. 85

[22] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 66-67

[23] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 68

[24] Vgl.:     Backhaus                        [1992]     S. 120

[25] Vgl.:     IMP-Group                       [1982]     S. 16-17

[26] Vgl.:     IMP-Group                       [1982]     S. 17-19

[27] Vgl.:     IMP-Group                       [1982]     S. 19-20

[28] Vgl.:     Gadde/Håkansson            [1993]     S. 74

[29] Vgl.:     Parkinson/Baker              [1986]     S. 285

[30] Vgl.:     Biemans                          [1992]     S. 80

[31] Vgl.:     Håkansson                      [1987]     S. 3

[32] Vgl.:     Håkansson                      [1987]     S. 4

[33] Vgl.:     Håkansson                      [1987]     S. 4

[34] Håkansson                      [1987]     S. 5

[35] Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 15

[36] Vgl.:     Axelsson/Easton           [1992]   S. 133

[37] Vgl.:     Axelsson/Easton           [1992]   S. 133

[38] Håkansson       [1987]   S. 17

[39] Vgl.:     Carlsson           [1979]   S. 35

[40] Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 97-112

[41] Vgl.:     Sahal, D.          [1980]   S. 110

[42] Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 92

[43] Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 122

[44] Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 124

Outpacing-Strategie*

Oktober 17th, 2009

Eine Präferenz- oder Differenzierungsstrategie kann dann problematisch sein, wenn die Nachfrager die Differenzierung nicht mehr wahrnehmen können bzw. wenn sie primär über den Preis kaufen. Dieser Fall tritt häufig nach der Herausbildung von sog. Standards auf. Gilbert und Strebel schlagen deshalb den rechtzeitigen Wechsel zu der den jeweiligen Wettbewerbsbedingungen am besten angepaßten Strategie vor –> Outpacing-Strategie.

Der Ansatz der Outpacing-Strategie geht davon aus, daß in einem Wettbewerbsfeld zunächst Produktinnovationen den Wettbewerb bestimmen und damit eine Präferenzstrategie von den Wettbewerbern verfolgt wird. Mit der Herausbildung eines dominanten Designs (z.B. Standard) verlagert sich die Innovationstätigkeit auf die Produktionsprozesse und führt dadurch weg von einer Präferenzstrategie hin zu einer Preis-Mengen-Strategie.

Strategiewechsel bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, den ursprünglichen Wettbewerbsvorteil eines hohen Nutzenniveaus der Präferenzstrategie aufzugeben. Vielmehr ist es das Ziel das Angebot von hoher Leistung mit niedrigen Kosten zu realisieren.


* Vgl.                Backhaus, Investitionsgütermarketing, S. 191 f

Neue Institutionenökonomie – eine Zusammenfassung

Oktober 17th, 2009

1. Grundlagen

Die Wirtschaftswissenschaft erlebt in den letzten Jahren eine zunehmend um sich greifende Neuorientierung: die Einbeziehung des institutionellen Rahmens in die ökonomische Analyse. Es handelt sich hierbei um die sog. Neue Institutionenökonomik (auch Neue Theorie der Unternehmung genannt). Die Kerngendanken dieses Ansatzes sind erfreulich einfach: die Begründung und Benutzung von Institutionen oder Organisationen verursacht Kosten, Transaktionskosten, weshalb die Gestaltung der individuellen Verfügungsrechte auf das wirtschaftliche Gesamtergebnis nicht ohne Einfluß ist. Zur Neuen Institutionenökonomik gehören die Informationsökonomik, die Principal-Agent-Theorie, die Transaktionskostentheorie und die Property-Rights-Theorie. Allen diesen theoretischen Ansätzen ist gemein, daß sie hauptsächlich die potentiellen „Störungsquellen“ in Transaktionen untersuchen. Speziell befaßt sich die Neue Institutionenökonomik mit der Erklärung der in der Realität vorzufindenden institutionellen Infrastruktur und ihrer Entwicklung (explikative Sicht). Ferner soll untersucht werden, welche institutionellen Lösungen in bestimmten Situationen vorhandene Koordinationsprobleme am effizientesten zu lösen vermögen (instrumentelle Sichtweise). Im Vordergrund stehen Transaktionen und Institutionen.

Der Institutionenbegriff ist hier sehr weit gefaßt. Er umfaßt neben Märkten und Unternehmungen z.B. auch soziale Normen, die Sprache, das Geld und rechtliche Einrichtungen wie etwa Verfassungen, Vertragsformen oder Verfügungsrechte. Institutionen strukturieren unser tägliches Leben und verringern auf diese Weise dessen Unsicherheiten. Sie können sich im Extremfall „spontan“ aus dem Eigeninteresse der Individuen entwickeln, d.h. sich selbst organisieren oder – im anderen Extremfall – komplett durch Autorität organisiert werden.

Als Transaktion wird der Prozeß der Klärung und Vereinbarung eines Leistungsaustausches bezeichnet, dabei steht nicht der physiche Leistungsaustausch selbst, sondern die ihm logisch und zeitlich vorgelagerte Übertragung von Verfügungsrechten im Mittelpunkt.

Transaktionskosten sind die bei Bestimmung, Übertragung und Durchsetzung von Verfügungsrechten für einen bestimmten Leistungsaustausch entstehenden Kosten, Es handelt sich dabei vornehmlich um Kosten der Information und Kommunikation, soweit dies der Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle der arbeitsteiligen Aufgabenerfüllung dienen. Man unterscheidet folgenden Kostenarten:

- Anbahnungskosten (z.B. Informationssuche und -beschaffung über potentielle Transaktionspartner und deren Konditionen)

- Vereinbarungskosten (z.B. Intensität und zeitliche Ausdehnung von Verhandlungen, Vertragformulierung und Einigung)

-· Abwicklungskosten (Steuerung und Management der arbeitsteiligen Aufgabenentwicklung)

-· Kontrollkosten (Sicherstelllung der Einhaltung von Termin-, Qualitäts-, Mengen-, Preis- und Geheimhaltungsvereinbarungen)

-· Anpassungskosten (z.B. Kosten für die Durchsetzung nachträglicher qualitativer, mengenmäßiger, preislicher oder terminlicher Änderungen).

Derartige Kosten entstehen bei Marktbeziehung ebenso wie bei unternehmensinterner Erstellung von Leistungen. Es handelt sich also im weitesten Sinne um Kosten, die durch Organisation und Abwicklung arbeitsteiliger Aufgabenerfülling anfallen. Sie werden deshalb auch häufig als Koordinationskosten bezeichnet.

Die theoretischen Ansätze sind für das Marketing recht vielversprechend – im Besonderen für das Investitonsgütermarketing –, da sie den spezifischen Unsicherheitslagen in den Transaktionen des Marketing in besonderem Maße Rechnung tragen.

2. Theoretische Ansätze

2.1. Die Informationsökomomik

Zentrales Interesse der Informationsökonomik gilt dem Informationsgefälle zwischen Wirtschaftssubjekten. Sie bemüht sich um die Erklärung und Gestaltung der hieraus resultierenden endogenen, durch das Verhalten der Marktpartner geprägten Marktspannungen. Die Informationsökonomik befaßt sich dabei vor allem mit der Suche nach Konzepten für eine partielle Endogenisierung der transaktionsrelevanten Determinanten und der Entwicklung bestimmter, situativ unterschiedlicher Ausgestaltungsformen für Transaktionen. Eng zusammen mit der Informationsökonomik hängt die Principal-Agent-Theorie.

2.2. Die Principal-Agent-Theorie

Aufgrund der Arbeitsteilung im Wirtschaftsgeschehen kommt es häufig vor, daß ein Auftragnehmer (Agent) für einen Aufraggeber (Principal) handelt. So z.B. der Vorstand für die Aktionäre, die Bank für den Geldanleger oder die Werkstatt für den Autobesitzer. Ursache für diese Marktbeziehungen ist, daß die Menschen Ziele verfolgen, die sie ohne arbeitsteilige Prozesse nicht oder nur auf geringerem Niveau realisieren können. Die Theorie geht dabei von folgenden Prämissen aus:

Aufgrund des Unsicherheitsproblems besteht keine eindeutige Beziehung zwischen dem zu erreichenden Ziel und den dazu vom Agenten einzusetzenden Mitteln. Der Agent hat somit mehrere Handlungsalternativen zur Erfüllung des Auftrages, wobei das Ergebnis seiner Aktivitäten nicht nur von seinem Einsatz, sondern auch von zukünftigen unbestimmten Ereignissen abhängt

-· Der Principal unterliegt nun bzgl. der Handlungen des Agenten einer Unsicherheit. Er ist nicht in der Lage die Auftragserfüllung vollständig und kostenlos zu beobachten (hidden actions) oder eine einzige („richtige“) Auftragerfüllungsmöglichkeit vorzuschreiben. Es ist ihm nicht möglich, eingetroffene negative Ergebnisse mit Sicherheit entweder auf den Agenten oder auf negative Umweltentwicklungen zurückzuführen.

-· Dies schafft eine assymmetrische Informationsverteilung zu Lasten des Principals, also einen Informa-tionsvorsprung des Agenten, der durch das Expertenwissen des Agenten noch erweitert wird.

-· Der Informationsvorsprung des Agenten bewirkt, daß dieser Freiräume für die Wahrnehmung seiner persönlichen Interessen zum Nachteil des Principals erhält (opportunistisches Verhalten). Diese Tatsache ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil i.d.R. ein Interessenkonflikt zwischen den beiden besteht.

Die Agency-Theorie beschäftigt sich mit der Suche nach optimalen institutionellen Ausgestaltungen solcher Beziehungen (effiziente Verträge). Das Effizienzkriterium ist hier die Minimierung der Agency-Kosten –Kontrollkosten des Principals, Garantiekosten des Agenten, verbleibender Wohlfahrtsverlust. Zur Beseitigung oder Reduktion des Informationsrisikos sind folgende Institutionen zu nutzen oder zu schaffen:

· Informationssysteme

· Anreizsysteme

· Kontrollsysteme

· Mitwirkungssysteme.

Die Anreize für den Agenten sollen so gestaltet sein, daß die Erfüllug seiner Ziele auch denen des Principals dient. Darüber hinaus ist ein effizientes Überwachungssystem notwendig, das nicht nur eine reine Ergebniskontrolle, sondern auch eine Verhaltenskontrolle beinhaltet. Außderdem sind Möglichkeiten zu schafffen, die eine Einflußnahme des Principals auf die Handlungen des Agenten ermöglichen.

2.3. Property-Rights-Theorie

Die Regelung der Verfügung über wirtschaftliche Güter ist eine unabdingbare Aufgabe in der Welt der Knappheit. Die Frage, ob die Verfügungsrechte privat oder sozial sein sollen, wurde und wird heiß diskutiert. Bei der Beurteilung dieser Fragestellung spielt die Berücksichtgung der Transaktionskosten eine zentrale Rolle. So kostet es Ressourcen, einen Mieter zu überwachen oder den Agenten, der eine Wohnung vermietet, zu kontrollieren. Der Anreizeffekt der Verfügungsrechte hilft, Transaktionskosten einzusparen und trägt auf diese Weise zur wirtschaftliche Wohlfahrt einer Gesellschaft bei. Die Property-Rights-Theorie untersucht die Herausbildung, Zuordnung, Übertragung und Durchsetzung von property-rights (Eigentumsrechten) unter Berücksichtigung der entstehenden Transaktionskosten. Dabei beeinflus-sen die Ausgestaltung und der Grad der Beschränkung einzelner property-rights an Gütern den Wert und das Verhalten im Umgang mit diesen Gütern.

Man unterscheidet absolute und relative Verfügungsrechte. Absolute Verfügungsrechte sind Rechte an Sachen, immateriellle Rechte (Markenzeichen), individuelle Freiheitsrechte. Absolute Verfügungsrechte wirken gegenüber jedermann, sie sind gekennzeichnet durch die absolute Herrschaftsmacht des Berechtigten. Relative Verfügungsrechte bilden sich unter anderem aus Schuldverhältnissen (Obligationen), es handelt sich hiebei um Befugnisse gegenüber einer bestimmten Person, nämlich gegen den Schuldner, nur gegen diesen ist das relative Verfügungsrecht durchsetzbar (die relativen Verfügungsrechte sind Gegenstand des Transaktionskostenansatzes). Zu den relativen Verfügungsrechten i.w.S. gehören auch „Rechte“, die sich aus persönlichen Beziehungen ergeben (z.B. eheliche Beziehung, Kunden- und Lieferantenbeziehungen).

Wie die Erfahrung lehrt, hat das Eigentum an einer Ressource durchaus Einfluß auf das wirtschafliche Resultat. Es sind die wirtschaflichen Anreize des privaten Eigentums, die zu sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen und damit zur sozialen Wohlfahrt beitragen. Dabei versuchen die Individuen aus ihren Verfügungsrechten „das meiste herauszuholen“ (Nutzenmaximierung). Eine geschickte Ausgestaltung der Verfügungsrechte trägt dabei zur Einsparung von Transaktionskosten sowie zu einer pfleglicheren Nutzung von Ressourcen bei. Die Dezentralisation der Entscheidung über Ressourcenallokation ist deshalb der Sozialen vorzuziehen. In einer perfekten Privateigentumswirtschaft mit übertragbaren Verfügungsrechten kommt es zu einer effizienten Allokation der Ressourcen, die Kontrollfunktion des Ressourceneinsatzes wird dabei vollständig von der Marktkonkurrenz übernommen.

In der Property-Rights-Theorie kommt auch das Problem der externen Effekte ins Spiel. Die Umweltproblematik entsteht ja gerade dadurch, daß es wegen der hohen Transaktionskosten (Meß- und Überwachungskosten) unmöglich ist, individuelle Verfügungsrechte an allen Ressourcen, etwa jedem konkrete Kubikmeter des Luftraumes, einzelnen Individuen zuzuorden. Im Rahmen der Property-Rights-Theorie wird ein institutioneller Rahmen danach beurteilt, inwieweit er Transaktionskosten und externe Effekte minimiert. Untersuchungsgegenstand sind somit die institutionellen Rahmenbedingungen. Die Ausgestaltung der Verfügungsrechte kann damit die Allokation und Nutzung von wirtschaftlichen Gütern (Ressourcen) auf spezifische und vorhersehbare Weise beeinflussen.

2.4. Transaktionskostenansatz

Der Transaktionsansatz stellt ein mikroanalytisches Instrumentarium dar, das die Entstehung und Entwicklung institutioneller Ordnungsmuster erklärt und zur Gestaltung effizienter Regeln für die Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten auf einzel-, branchen- und gesamtwirtschaftlicher Ebene beiträgt. Dem Transaktionskostenansatz zufolge sind effiziente wirtschaftliche Strukturen und Prozesse in einer arbeitsteiligen Gesellschaft dann gegeben, wenn die „Reibungen“, die bei der Abstimmung zwischen den Beteiligten entstehen, möglichst gering bleiben. „Reibungsverluste“ – sie werden als Transaktionskosten bezeichnet – treten beim Leistungsaustausch innerhalb von Unternehmen (z.B. Vereinbarung von bestimmten Teilaufgaben zwischen Organisationsmitgliedern) und Märkten (z.B. Einkauf von Material) immer auf, weil die Beteiligten verschiedenartige Interessen verfolgen und über unterschiedliches Wissen und Können verfügen. Der Transaktionskostenansatz geht zurück auf einen 1937 veröffentlichten Aufsatz von R. Coase, wurde seit Anfang der 70er Jahre im wesentlichen von O.E. Williamson weiterentwickelt und heute u.a. von A. Picot vertreten.

Für Umfang und Struktur der Transaktionskosten macht es einen Unterschied, in welcher Weise die arbeitsteilige Leistungserstellung institutionell verankert ist (Vertragsformen, Rechtssysteme, organisatorische Regelungen, allg. Wertvorstellungen usw.) Folglich ist es z.B. von Bedeutung, ob eine Leistung im Wege des klassischen Einkaufs oder in Eigenregie erstellt wird. Die Höhe der in Kauf zu nehmenden Transaktionskosten hängt darüber hinaus von den Eigenschaften der arbeitsteilig zu lösenden Aufgaben ab. Z.B. ist die Erstellung von Standardleistungen weniger aufwendig zu koordinieren als die arbeitsteilige Bewältigung spezifischer und komplexer Probleme. Um die Transaktionskosten zu minimieren, muß somit für jeden Aufgabentyp die geeignetste Koordinationsform gefunden werden.

Ziel ist es, die Transaktionskosten durch optimale Kombination der Leistungsarten, die ein Unternehmen zur Erfüllung seiner marktlichen Aufgabe benötigt, mit der geeignetsten Koordinationsform zu minimieren. Die Quantifizierung der Transaktionskosten ist dabei problematisch, da sie i.d.R. unter die Kategorie der Gemeinkosten fallen und damit erhebliche Schwierigkeiten der Erfassung und verursachungsgerechten Zurechnung mit sich bringen. Die Eignung der Transaktionskostentheorie zur Entscheidungsunterstützung wird hierdurch jedoch nicht eingeschränkt, da die Koordinationsform, die die vergleichsweise ge-ringsten Transaktionskosten verursacht, indirekt anhand der Transaktionseigenschaften zu ermitteln ist.

Die Höhe und Struktur der Transaktionskosten sowie die Effizienz alternativer Koordinationsformen ist abhängig von den Transaktionseigenschaften der Leistungen hinsichtlich Spezifität, strategischer Bedeutung, Unsicherheit und Häufigkeit. Die wichtigste Eigenschaft ist die Spezifität. Der Spezifitätsgrad einer Leistung ist um so höher, je größer die Wertdifferenz zwischen der beabsichtigten und der nächstbesten Verwendungsmöglichkeit ist (Quasi-Rente). Bei hoher Spezifität kommt es zu „monopolartigen“ Leistungsbeziehungen mit wechselseitigen Abhängigkeiten und Sicherungsbedürfnissen (Small-Numbers-Situation). Aufgrund der begrenzten Rationalität der Transaktionspartner entstehen Spielräume für opportunistisches Verhalten, deren Ausnutzung vor allem bei hoher Spezifität zu hohen Transaktionskosten (z.B. bei Wechsel des Transaktionspartners) führen kann (Spezifität als dominierende Einflußgröße der Transaktionskosten). Spezifische Leistungsbeziehungen basieren auf idiosynkratischen, d.h. auf be-stimmte Transaktionen spezialisierte, Investitionen.

Wesentlich für das Verständnis der Spezifitätsproblematik ist zudem die Unterscheidung zwischen ex-ante und ex-post-Spezifität. Während einige Transaktionen bereits von vornherein spezifische Investitionen voraussetzen, existiert zu Beginn anderer Transaktionen zunächst ein konkurrenzintensiver Wettbewerb um die Lieferung einer Standardleistung. Nachdem jedoch aus einer Vielzahl potentieller Transakti-onspartner einer ausgewählt wurde, kann sich dieser, insbes. bei häufig wiederkehrenden Leistungsbeziehungen, transaktionsspezifische Fähigkeiten sowie idiosynkratisches Wissen aneignen und damit Vorteile, sog. first-mover-advantages, gegenüber seinen ursprünglichen Mitbewerbern erlangen (z.B. im Rahmen von Marketingaktivitäten). Hierdurch entwickelt sich aus einer ex-ante unspezifischen Ausgangslage im Laufe der Zeit ein monopolartige Transaktionsbeziehung (Fundamentale Transformation).

Mit zunehmender Spezifität wird damit ein stabiler und integrativer Transaktionsrahmen erforderlich, der sich durch einen hohen Integrationsgrad realisieren läßt. Für spezifische Teilleistungen sind klassische Kaufverträge viel zu aufwendig. Ein angemessener Kaufpreis läßt sich aufgrund fehlender Vergleichspreise erst in langwierigen Verhandlungen ermitteln. Die Abhängigkeit des Käufers vom Lieferanten und umgekehrt erschwert die Aushandlung des Leistungsaustausches erheblich. Um die Transaktionskosten zu senken, wird man anstelle eines klassischen marktlichen Fremdbezugs bzw. Verkaufs zu Kooperatio-nen und bei sehr hohem Spezifitätsgrad zu relationalen Koordinationsformen (Eigenerstellung) übergehen. Unspezifische (standardisierte) Teile dagegen verursachen geringere marktliche (z.B. Kosten bei Austausch des Vertragspartners) als hierarchische bzw. interne (oftmals hohe Verwaltungskosten) Transaktionskosten und sollten daher mit einem niedrigen Integrationsgrad einhergehen. Zudem besitzt der Anbieter bei hohem Standardisierunggrad einer Leistung Produktionskostenvorteile, wenn er Größenvorteile ausnutzen, d.h. mehrere Nachfrager bedienen kann.

Die zweite herausragende Eigenschaft ist die strategische Bedeutung der Leistung. Strategisch bedeutsame Leistungen gehen meist mit einer hohen Spezifität einher und sind daher im Rahmen eines hohen vertikalen Integrationsgrades zu erstellen. Darüber hinaus würde der Schutz des strategisch bedeutsamen Wissens bei niedrigem Integrationsgrad hohe Überwachungs- und Kontrollkosten nach sich ziehen.

Die Wirkungsweisen o.g. Eigenschaften werden durch Unsicherheit hinsichtlich qualitativen, quantitativen, terminlichen oder technischen Änderungen unterstützt: Zunehmende Unsicherheit erschwert eine längerfristige vertragliche Absicherung. Die Transaktionskosten für Vertragsformulierungen und nachträgliche Anpassungen etc. können insbesondere bei spezifischen und/oder strategisch bedeutsamen Leistungen bis auf ein prohibitives Niveau steigen. Änderungsintensive, aber standardisierte Leistungen da-gegen können effizienter über marktliche Verträge bereitgestellt werden. Daneben wirkt auch die Häufigkeit der Leistungserstellung unterstützend. Je öfter spezifische und/oder strategische Leistungen erforderlich sind, desto größer ist die Tendenz zu höheren Integrationsgraden.

Die Ableitung von Strategieempfehlungen wird neben den Transaktionseigenschaften auch von Ein- und Auslagerungsbarrieren insbesondere bezüglich verfügbarem Know-how und Kapital beeinflußt. Ist aufgrund der Eigenschaften der Leistung eine Eigenerstellung anzustreben, stehen dem jedoch Know-how und/oder Kapitalbarrieren entgegen – d.h. der Erwerb des notwendigen Entwicklungs-, Fertigungs- und Vertriebs-Know-how ist mit hohen, oftmals prohibitiven Transaktionskosten verbunden – erhöht dies die Notwendigkeit für vertikale Kooperationsformen wie Strategische Allianzen, Joint Ventures, F&E-Kooperationen etc. Hohe Koordinationskosten enstehen etwa durch die notwendige Übertragung von personengebundenem Wissen ohne die Möglichkeit einer Abwerbung des Know-how-Trägers vom Lieferanten.

Weitere Barrieren wie z.B. das Ausmaß der Standortflexibilität, beschäftigungspolitische Restriktionen, logistische Besonderheiten, die Verfügbarkeit von informations- und kommunikationstechnischen Infrastrukturen (etwa als Voraussetzung für bestimmte Formen marktlicher Kooperation) oder rechtliche Bedingungen sind als zusätzliche Situationsspezifika in die Analyse einzubeziehen.

Neben der o.g. Quantifizierungsproblematik, die eine Skalierung der Ergebnisse in nur ordinaler Form zuläßt, für die Entscheidungsunterstützung jedoch von untergeordneter Bedeutung ist, besteht eine Kritik in der häufigen Vernachlässigung von Produktionskosten. Mit dem Argument, daß Produktions- und Transaktionskosten von gleicher Wirkungsrichtung sind oder daß nur geringfügige zwischenbetrieblichen Produktionskostenunterschiede bestehen, beschränken sich viele Autoren auf die Transaktionskostena-nalyse. Da jedoch auch eine gegenseitige Kompensation denkbar ist, scheint eine ergänzende Betrachtung von Produktionskosten zweckmäßig. Darüber hinaus ist die Nichtberücksichtigung der Ganzheitlichkeit des Leistungserstellungsprozesses sowie individueller operativer Einflußgrößen zu kritisieren. Das herausragende Anwendungsgebiet des Transaktionskostenansatzes ist zweifellos die Ermittlung des optimalen vertikalen Intergrationsgrades für die diversen Leistungsfelder eines Unternehmens (Leistungstiefenoptimierung/Markt-Hierarchie-Paradigma)). Ferner leistet die Transaktionskostentheorie überzeugende Beiträge zur Erklärung der Entwicklung interner Organisationsstrukturen (Übergang von funktionalen zu divisionalen Organisationsformen). Es wird deutlich, daß die Kosten der Information und Kommunikation wesentlicher Ansatzpunkt zur Rationalisierung, für die Entwicklung von Regelsystemen sowie für die Herausbildung von Institutionen aller Art sind. Zusammenfassend beurteilt bildet der Transaktionskostenansatz das Fundament einer allgemeinen Organisationslehre, indem er einen erklärungskräftigen und anwendungsorientierten Bezugsrahmen für die Gestaltung wirtschaftlicher Aktivitäten zur Verfügung stellt. N

Klingt kompliziert, ist auch so

Dirk Stader

Der Netzwerkansatz

Oktober 17th, 2009

Die dyadische Sichtweise des Interaktionsansatzes, der sich auf die Anbieter-Nachfrager-Beziehung beschränkt, kann durch den Netzwerkansatz erwei­tert werden, der sich um eine holistisch-dyadische Darstellung bemüht.

Håkansson identifizierte drei Basiselemente von Netzwerken: Akteure, Aktivi­täten und Ressourcen (Abb. 6).

Die Akteure im Netzwerkmodell verrichten die Aktivitäten und kontrollieren die Ressourcen. Ihr Hauptanliegen ist die Kontrolle des Netzwerkes zu ihren Gunsten. Durch ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen sowie durch ihre Beziehungen im Netzwerk versuchen die Akteure, ihre Position zu verbes­sern: “They are networking.”[1]

Die Akteure verrichten Aktivitäten, indem sie Ressourcen kombinieren, ent­wickeln und austauschen. Es gibt zwei Kategorien von Aktivitäten: Die Transformationsaktivitäten werden von einem Akteur kontrolliert, in dem er eine Ressource durch die Verwendung anderer Ressourcen verbessert. Transaktionsaktivitäten verbinden Transformationsaktivitäten, bilden Aktivi­tätsketten und schaffen Beziehungen zu anderen Akteuren. Die Kombinatio­nen von Aktivitäten bildet mehr oder weniger repetitive Aktivitätszirkel, in de­nen sich bestimmte interdependente Aktivitäten wiederholen.

 


[1]          Vgl.:     Håkansson       [1987]   S. 15