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Der Interaktionsansatz von Kirsch und Kutschker – eine Zusammenfassung

17 Oktober 2009

1.         Begriff der Interaktion (* Homans)

Ursprünglich Wechselbeziehung zwischen zwei Individuen. Lt. Homans ist soziale Interaktion der Austausch von materielle und immateriellen Gütern, wobei Kosten- und Nutzenüberlegungen das Handeln der Interaktionspartner bestimmen.

Voraussetzungen für soziale Interaktion sind:

- Beteiligung mind. zweier Parteien

- Aktionen und Reaktionen folgen einander zeitlich

- die Handlungen der Partner sind voneinander abhängig und beziehen sich aufeinander

Interaktionen beziehen sich jedoch nur auf das von außen beobachtbare Verhalten und nicht auch auf unbeobachtbare Elemente (wie z.B. Deutung einer Mitteilung beim Empfänger) und ist deshalb auch nicht mit der Kommunikation gleichzusetzen.

2.         Begriff der Transaktion

Allgemein versteht man unter einer Transaktion die Übertragung eines Wirtschaftsobjektes zwischen zwei Wirtschaftssubjekten, begründet durch deren ökonomische Interessen.

Unterscheidung der Transaktionen in güter-, finanz- und informationswirtschaftliche Transaktionen.

3.         Begriff des Investitionsgutes

Die Unterscheidung zwischen Investitions- und Konsumgut läßt sich nicht nur aufgrund der Produktart treffen, sondern werden allgemein definiert als Wiedereinsatzfaktoren (im weiteren Sinne) von Organisationen.

4.         Merkmale Von Investitionsgütermärkten

- abgeleiteter Bedarf

- relativ kleine Zahl potentieller Nachfrager

- feste Geschäftsbeziehungen, die wiederum Einfluß auf zukünftige Beschaffungsprozesse haben

- direkte Marktkontakte (im Gegensatz zum anonymen Markt)

- fundierte und formalisierte Kaufentscheidungen

- Mehr-Personen-Entscheidungen (buying Center [GUIDE])

- lang andauernde Kaufentscheidungsprozesse

- gravierende Konsequenzen von Fehlentscheidungen

- formalisierter Beschaffungsprozeß

5.         Systematik der Interaktionsansätze

Kriterien:

- Art und Zahl der Beteiligten

- Berücksichtigung des Zeitaspekts, der eine Unterscheidung in folgende Kategorien ermöglicht:

Strukturansätze           (als Momentaufnahme)

Prozeßansätze             Berücksichtigung der Entwicklung der Variablen und des Verhandlungsverlaufes

Netzwerkansätze          Erklärung der Transaktionen innerhalb des Beziehungsgeflechts aller an der Interaktion beteiligten Organisationen/Personen

 

Unterscheidung der Interaktionsansätze nach Art und Zahl der Beteiligten

I.          Dyadisch-personale Interaktionsansätze (zwei Personen)

Diese beziehen zur Erklärung des Transaktionsablaufs Merkmale von Käufer und Verkäufer ein, also Berücksichtigung des besonders wichtigen persönlichen Kontakts zwischen zwei Personen.

II.         Multipersonale Interaktionsansätze (mehr als zwei Personen)

Andere Problemstellungen als bei I. können sich ergeben (z.B. Hierarchieprobleme oder Koalitionsbildung)

III.        Dyadisch-organisationale Interaktionsansätze (zwei Organisationen)

Berücksichtigen die Tatsache, daß Personen meist nicht autonom handeln, da sie als Mitglieder von Organisationen beeinflußt werden. Untersucht werde dabei nicht nur die Beziehungen innerhalb der Organisationen, sondern auch zwischen den Organisationen.

IV.        Multiorganisationale Interaktionsansätze (mehr als zwei Organisationen)

Diese versuchen den Einfluß aller an der Transaktion beteiligten Organisationen und ihrer Beziehungsgeflechte auf deren Verlauf und Ergebnis aufzuzeigen.

6.         Der Interaktionsansatz von Kirsch und Kutschker

Kirsch und Kutschker bezeichnen ihren Ansatz bezüglich Investitionsgütertransaktionen als komplexen Problemlösungsprozeß an dessen Realisierung alle beteiligten Organisationen mitwirken müssen. Sie benutzen den multi-organisationalen Interaktionsansatz für ihre Theorie.

Das Grundprinzip der Interaktionsansätze ist ,die Transaktion – verstanden als Werteaustausch zwischen zwei Parteien -. Demzufolge liegt der Schwerpunkt der Betrachtung in der Analyse der Transaktionsprozesse interagierender Organisationen. Dieser Ansatz basiert auf vier Säulen:

- Transaktionsepisodenkonzept

- Potentialkonzept

- Aktoren

- Sozio-ökonomisches Feld

6.1       Transaktionsepisodenkonzept

Untersuchungsgegenstand ist nicht die gesamte Transaktion, sondern eine einzelne Transaktionsepisode, die allerdings für die Transaktion von Bedeutung ist. (d.h. der Beziehung einen eindeutigen Impuls gibt). Problematisch ist die Episodeneingrenzung, da sich häufig Güteraustauschprozesse überlappen. Die Konditionen zu denen die Transaktion durchgeführt wird, werden innerhalb der Transaktionsepisode durch Aushandeln – in mehreren Entscheidungsprozessen – festgelegt.

6.2       Potentialkonzept

Grundlage sind die unternehmensspezifischen Wissens- und Konsenspotentiale, die in den strukturellen Merkmalen der Organisationen, ihrer Repräsentanten und der Umwelt sichtbar werden. Innerhalb der ablaufenden Problemlösungsprozesse werden Potentiale aktiviert, um auf den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen Einfluß zu nehmen.

Das Potentialkonzept stellt eine Ergänzung des Episodenkonzepts dar, da es den Prozeßcharackter der Transaktion betont. Außerdem ermöglicht es eine detaillierte Beschreibung des relevanten Umfeldes und stellt die Verbindung zu traditionellen Absatztheorien her. Die bekannten Marketingaktivitäten, wie Marktforschung und Werbung lassen sich als Aktivitäten zum Aufbau und Pflege von Potentialen interpretieren, wodurch sie Einfluß auf das Geschehen innerhalb der Transaktionsepisode und ihr Ergebnis nehmen.

Grundprinzip des Interaktionsansatzes nach Kirsch/Kutschker

Sowohl die Hersteller- als auch die Verwenderorganisation verfügt über Potentiale, die in der Vergangenheit aufgebaut wurden.

Während der Transaktionsperiode werden diese nun aktiviert und wirken auf das Geschehen ein. Besonders deutlich wird der wechselseitige Einfluß der beiden Organisationen.

6.3       Aktoren im sozio-ökonomischen Feld

Im Rahmen dieses Ansatzes wird die Episode als ein Bündel von Aktivitäten in einem Feld gleichzeitig ablaufender Ereignisse verstanden. Als sozio-ökonomisches Feld einer Investitionsgütertransaktion definieren die Autoren die Menge aller Aktoren und  ihre sozialen Beziehungen, die für die Transaktion von Bedeutung sind.

 6.4       Soziale Systeme

 Zur verfeinerten Analyse der im sozi-ökonomischen Feld wirksamen Kräfte unterscheiden die Autoren vier verschiedene Arten von sozialen Systemen:

 I. Organisationen = formales soziales System, das gegründet wurde um vereinbarte Ziele zu erreichen

 II. Gruppen = Mitglieder haben häufigeren und intensiveren Kontakt als mit Außenstehenden.

 III. Kollektiven = hoher Integrationsgrad der Mitglieder, die sich zu gleichen Ideen und Werten verpflichten und somit ihren eigen Handlungspielraum einschränken.

 IV. Koalition = kein formales System, aber abgestimmtes Verhalten

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Insourcing

17 Oktober 2009

Eine Analyse des Unternehmensumfeldes zeigt eine zunehmende Bedeutung netzwerkartiger Kooperationsformen. Traditionelle Unternehmensgrenzen lösen sich zu Gunsten vielfältiger Zwischenformen kooperativer Beziehungen auf. Ausgangspunkt für eine solche Neustrukturierung ist die holistische Betrachtung der Wertschöpfungsprozesse. Zielsetzung ist es, Flexibilitäts-, Effizienz- und Kostenvorteile zu erzielen, indem bestimmte Abschnitte der Leistungskette oder einzelne Segmente aus einem Unternehmen A herausgelöst und in eine effizientere Unternehmensstruktur B eingefügt werden. Unternehmen werden dementsprechend als System flexibler Module verstanden, die möglichst effizient zu einem Mix von Produktionsbedingungen zusammengefaßt werden können.

Entscheidungskriterien zur Bestimmung der optimalen Fertigungstiefe ist das 1. Konzept der Kernkompetenz – Fähigkeiten mit großem Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten – und 2. Ansätze der Transaktionskostentheorie – reine Produktionskosten sind bei allen Unternehmen mehr oder weniger identisch, Unterschiede entstehen in der jeweiligen Höhe der Koordinierungs- und Kontrollkosten der Produktionstätigkeiten.

Kooperations- und Integrationsformen

1.                      Reiner Fremdbezug

Auswahl der kostengünstigsten Alternative bei feststehender Fertigungsleistung (Spotmarkt).

2.                      Verlängerte Werkbank

Fertigung genau spezifizierter Teile bei knappen Kapazitäten im eigenen Unternehmen. Evtl. Zusammenarbeit im Bereich der Prozeßentwicklung aber keine Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung.

3.                      Auftragspartner

Ein Lieferant fertigt über einen längeren Zeitraum komplett bearbeitete Teile für spezifische Branchen. Spezialmaschinen führen zu hohen Markteintritts- und Marktaustrittsbarrieren. Hohe Spezifität und kundenspezifischer Integrationsgrad. Entwicklungskompetenz liegt beim Zulieferer, wird jedoch nur auf Veranlassung unter Vorgabe eines Pflichtenheft durch den Abnehmer vorgenommen.

 4.                      Produktionsspezialist

Zulieferer fertigt seine Produkte auf abnehmerspezifischen Betriebsmitteln. Er zeichnet sich durch die Fähigkeit zu teilespezifischen Prozeßinnovationen aus. D.h. Einführung kundenorientierter Prozeßtechnologien parallel zu Reorganisationsprozessen. Eine Risikoübernahme für Produktentwicklungen erfolgt nicht.

5.                      Modullieferant

Modullieferant ist Führungsunternehmen in Zuliefererhierarchie. Belieferung mit abnehmerspezifischen komplexen Baugruppen – bestehend aus Komponenten und Einzelteilen -. Grundlagenforschung für das Modul bleibt beim Abnehmer , Lieferant führt Detailentwicklungen durch. Beziehung zum Abnehmer ist über Modellebenszyklusverträge abgesichert.

6.                      Wertschöpfungspartner

Aufgabenumfang des Modullieferanten wird erweitert auf komplette Entwicklungsverantwortung für das System. Die Einbindung in die Endproduktentwicklung erfolgt frühzeitig in der Phase der Endproduktidee. Grundlegende Fragestellungen werden gemeinsam diskutiert und im Sinne eine Simultanous Engeneering abgearbeitet.

7.                      Eigenfertigung

Zwischenform Insourcing

Insourcing ist als Zwischenform von Wertschöpfungspartnerschaften und Eigenfertigung anzusehen. Basis von Insourcing ist, Baugruppen von Mitarbeitern des Lieferanten vor Ort beim Abnehmer montieren und teilweise auch fertigen zu lassen. Folgende Varianten lassen sich unterscheiden.

1.                      Montage an Abnehmerstätte

2.                      Verlagerung von Fertigungs- oder Montageumfängen (d.h. Lieferant verlagert Teile seines Maschinenparks auf freie Flächen beim Abnehmer)

3.                      Joint Venture (d.h. gemeinschaftliche Gründung eines Montage- und/oder Teilefertigungsunternehmen durch Abnehmer und Lieferanten)

4.                      Industriepark (mehrere Kernlieferanten verlagern abnehmerspezifische Fertigungen auf ein Gebiet räumlicher Nähe der Fertigung des Abnehmers)

 

Vor- /Nachteile

Die verschiedenen Insourcingformen unterscheiden sich hinsichtlich der Möglichkeiten zur Kontrolle und Beeinflussung der rückverlagerten Wertschöpfungskette. Fertigungstechnische- oder Qualitätsprobleme lassen sich sofort am Entstehungsort mit den Mitarbeitern des Lieferanten analysieren und einstellen. Die Freiheitsgrade des Lieferanten sind eingeschränkt, allerdings erhält dieser den Status eines Alleinlieferanten. Die Kontrollmöglichkeiten des Abnehmers nehmen mit räumlicher Nähe zu. Aufgrund des hohen Integrations- und Kooperationsgrades kann Insourcing nur für ein ausgewähltes Zukaufsspektrum angewendet werden. Die enge Kommunikation bewirkt eine Erhöhung der Produktionsflexibilität des gesamten Wertschöpfungsabschnittes. Als besonders geeignet scheinen Komponenten, die durch hohe Montage- und Materialkosten gekennzeichnet sind.

Wirtschaftlicher Niederschlag findet sich beim Abbau der Sicherheitsbestände, beim beidseitigen Know-How-Transfer, der Zusammenlegung der Lernkurven beider Partner, der Verkürzung der Durchlaufzeiten, der Reduzierung der Bestandshöhe, dem Wegfall externer Transportkosten und der Reduzierung der Koordinationskosten der einzelnen Fertigungsbereiche. Allerdings stehen diesen Vorteile die einmalige Erhöhung der Transaktionskosten, bei der Auswahl geeigneter Insourcing-Partner in Form von Such-, Informations- und Verhandlungskosten gegenüber.

Insourcing erfordert vollständige Transparenz aller relevanten Kostenstrukturen. Die unternehmerische Eigenständigkeit des Lieferanten wird eingeschränkt (hier könnten allerdings langfristige Modelllebenszyklusverträge abgeschlossen werden). Für den Abnehmer entstehen hohe Lieferantenwechselkosten (hier kann evtl. sog. Parallelsourcing gegenüber dem Singlesourcing Vorteile bringen).

Es kann zu einem Know-How-Transfer in beide Richtungen kommen. In diesem Zusammenhang sind Maßnahmen zum Know-How-Schutz zu treffen um Mißbrauch vorzubeugen.

Fazit:

Insourcing kann als “eigenfertigungsnaher” Ansatz zur Optimierung der Vertikalen Struktur des Abnehmers definiert werden und erweitert somit die Fragestellung nach dem optimalen vertikalen Integrationsgrad.*

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Diffusion

17 Oktober 2009

Der Prozeß der Diffusion beschreibt die Ausbreitung einer Innovation innerhalb eines sozialen Systems über spezielle Kommunikationskanäle im Zeitablauf. Während also die Diffusion eher den prozessualen Aspekt der Bewegung einer Innovation innerhalb bestimmter Strukturen und Kanäle beschreibt, kann die Adoption als erstmalige Übernahme einer Neuerung und als Beschreibung der physischen Einstellung der Individuen bzw. Organisationen bzgl. der Innovation interpretiert werden. Die Adoption ist als Ergebnis eines komplexen Entscheidungsprozesses zu sehen, der ähnlich wie ein Kauf- bzw. Beschaffungsprozeß in verschiedene Phasen unterteilbar ist. Dabei werden im allgemeinen die Phasen Awareness, Interest, Evaluation, Trial und Adoption unterschieden. Das Grundinteresse der Adoptionsforschung gilt den Determinanten dieses Entscheidungsprozesses, welche auch grundlegende Bedeutung für den Diffusionsprozeß haben.

 

Eine Grundhypothese der Diffuisionsforschung besteht darin, daß von einem bestimmten Individuum, welches als Träger einer neuen Erkenntnis, also einer Produktinnovation oder auch einer neuen Erfahrung mit den Leistungen eines Anbieters gilt, eine „Ansteckwirkung“ ausgeht, so daß die Erkenntnis auf eine ständig wachsende Anzahl anderer Individuen bzw. Aktoren übergreift. Dieser Automatismus des Diffusionsprozesses findet seinen Niederschlag in der Formulierung normalverteilter bzw. logistischer Funktionsverläufe. Dabei werden die beteiligten Aktorenaufgrund unterschiedlicher zeitlicher Reaktionssstrukturen in verschiedenen Adopterkategorien unterteilt.

 

Kurzfassung:

– Prozeß der Diffusion beschreibt die Ausbreitung einer Innovation innerhalb soz. Systems über spezielle Kommunikationskanäle im Zeitablauf

– Adoption = erstmalige Übernahme

– Adoption = Ergebnis komplexer Entscheidungsprozesses ist in Phasen unterteilbar AIETA

– Grundhypothese Diffusion = Ansteckwirkung

– Automatismus Diffusionsprozeß = Normalverteilte log. Funktionsverläufe

– Aktoren unterscheiden sich in Ihren zeitlichen Reaktionsstrukturen (Þ Adopterkategorien)

 

Wichtigsten Übernahmemotive:

– soziale Anerkennung

– Übernehmerbstand/kritische Masse bestimmt Einsatzmöglichkeiten

– Produkterfahrungen/Unternehmenserfahrungen

– Meinungsführer/Beratermeinungen

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Betriebsformen – Handel

17 Oktober 2009

Die Definition der Betriebsformen ist der Versuch einer Klassifizierung, wobei in der betriebswirtschaftlichen Praxis die eindeutige Trennung schwer fällt, da sich im Markt vielfältige Mischformen etabliert haben, deren Grenzen offen sind.

 1.       Discounter (z.B. Aldi, Penny etc.)

 - geringstmöglicher Service

 - begrenztes Sortiment (Marken und Billigware)

 - unterdurchschnittliche Preise

 - sehr begrenzte Verkaufsfläche (Merchandising)

 2.       Verbrauchermärkte

 - große Verkaufsfläche (mind. 1.000 m2)

- breites aber flaches Sortiment

- häufig Angliederung von Servicebetrieben (z.B. Tankstellen, Videoverleih etc.)

3.       SB-Warenhäuser (z.B. REAL)

- mehr als 4.000 m2 Verkaufsfläche

- hoher Food-Anteil (bei Allkauf 60% Food, 40% Non-Food)

- zusätzliche Servicebetriebe

- häufig Stadtrandlagen mit guter Parkplatzsituation

4.       Fach-/Spezialgeschäfte (z.B. Baumärkte, Toys’R Us etc.)

- Ware einer Branche (Herstellerorientiert) oder Bedarfsgruppe (Nachfrageorientiert)

- tiefes Sortiment

- hoher Bedienungsservice und auch andere Serviceangebote (z.B. Wartungsverträge)

- Laufkundschaft

5.       Warenhaus/Kaufhaus (z.B. Karstadt)

- breites Sortiment

- Teilbetrieb eines Konzerns

- starke Non-Food-Orientierung

- in Großstädten (in Städte mittlerer Größe erfolgloser Versuch)

6.       Filialunternehmen (z.B. Edeka)

- Mitglieder einer Gruppe, die kleinere Filialen an einem Ort haben (Supermärkte)

- begrenztes aber tiefes Sortiment

7.       Einkaufszentrum (z.B. Centro)

- räumliche Konzentration von verschiedenen Unternehmen unter einem Management

8.       Versandhandel (z.B. Otto)

- Vertrieb durch Post- und/oder Privatversand

9.       Cash und Carry (C+C) (z.B. Handelshof, Metro)

 - Großhandel, kein Verkauf an Endverbraucher

10.       Online-Shops

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Conjoint Analyse

17 Oktober 2009

Mit Hilfe der Conjoint Analyse wird ermittelt, wie ein Produkt für einen bestimmten Zielmarkt zu gestalten ist. Es geht dabei um die Entscheidung, welche Attribute in welcher Ausprägung zu gestalten sind. Zu diesem Zweck werden Konsumenten gebeten, eine Reihe von hypothetischen Produkten mit unterschiedlichen Eigenschaften in eine Präferenzordnung zu bringen. Aus dieser Ordnung ermittelt der Marktforscher anschließend, welches Gewicht die einzelnen Merkmalsausprägungen für den empfundenen Nutzen des Produktes haben und welche Kombination von Merkmalsausprägungen am effektivsten sind.

 Dirk Stader

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starre versus flexible Planung

17 Oktober 2009

1. starre Planung

– wenn Handlungsspielräume bei der Ermittlung der Entscheidung am Anfang nicht berücksichtigt werden Þ ökonom. unvernünftig,

– zu Beginn des Planungszeitraums werden unabhängig von den eintretenden Ereignissen/Inf. alle Entscheidungen bis zum Planungshorizont festgelegt (Auswahl derjenigen Entscheidungsalternative mit dem höchsten Erwartungswert),

– keine bdeingten Startegien u/o Revisionen,

– Nicht-Beachtung zukünftiger Handlungsspielräume

 

2. flexible Planung

– die zu einem bestimmten Zeitpunkt duchzuführende Aktion kann nicht unabhängig von den zukünftigen Aktionen optimal festgelegt werden,

– flexible Planung legt simultan mit der optimalen Aktion für den Beginn des Planungszeitraums Eventualpläne über zukünftige Aktionen fest,

– welche Eventualpläne letztlich realisiert werden hängt von der Entwicklung der Umwelt des Betriebes ab

– bei sicheren Erwartungen über die Entwicklung der Umwelt können alle zukünftigen Aktionen endgültig festgelegt werden

– in der Realität bestehen jedoch unsichere Erwartungen über die Umweltentwicklung, wobei sich diese Erwartungen im Zeitablauf ändern, je nachdem welche „neue“ Inf. zugehen

– do solche Inf. zugehen ist es nicht sinnvoll, zukünftige Aktionen schon endgültig festzulegen

– vielmehr sollte erst dann endgültig entschieden werden, wenn dieser Zeitpunkt tatsächlich eingetreten ist, weil dann alle Inf. berücksichtigt werden können, die zu diesem Zeitpunkt tatsächlich vorliegen (d.h. Berückscihtigung alternativer Zukunftslagen)

– Lösung ist die Entwicklung eines Systems von Eventualplänen, das Flexibilität gewährleistet und eine optimale Elastizität des Betriebes erreicht

 

mögliche Zielsetzungen:

risikoneutral = Maximierung des Erwartungswertes

risikoscheu = Maximierung des Risikonutzens

 

Sonstiges

Zustandsbaum = stochastische verknüpfung zw. Umweltzuständen

Entscheidungsbaum = Einbeziehung alternativer Entscheidungslagen

– suboptimale Entscheidungsmöglichkeiten werden vernachlässigt (Dominanz)

– unterschiedliche Kapitaleinsätze bei Endwertmethode werden vernachlässigt, da hier der Endwert als aufgezinster kapitalwert einer Inv., die sich zum Kalkulationszins verzinst gleich Null ist

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PIMS – Profit Impact on Market Strategy

17 Oktober 2009

Der empirische Zweig einer Identifikation von strategischen Erfolgsfaktoren wird nahezu ausschließlich vom PIMS (Profit Impact on Market Strategy) repräsentiert. Es werden diejenigen Faktoren identifiziert, die – bei richtigem Management – einen signifikanten Einfluß auf die Wettbewerbsstärke eines Unternehmens ausüben.[1] (Beteiligung von ca. 250 Unternehmen mit ca. 2500 strategischen Geschäftsfeldern sog. Produkt-Markt-(Umwelt)-Kombinationen). Auf Basis des Datenpools wird mit Hilfe der multiplen Regression nach Faktoren gesucht, die mit dem ROI bzw. mit dem Cash-Flow positiv oder negativ korrelieren, so daß die ermittelten Gesetzmäßigkeiten dann Aufschluß über Erfolg/Mißerfolg von geschäftsfeldbezogenen Investitionsaktivitäten geben können und zudem Hilfestellungen bei der zukünftigen Strategieformulierung leisten.

Auf diese Weise wurden ca. 30 signifikante Faktoren identifiziert, die ca. 80% der Varianz des ROI erklären, u.a. auch den relativen Marktanteil und das Marktwachstum, so daß die Empirie die abgeleiteten Aussagen des Erfahrungskurvenkonzeptes anscheinend bestätigt.

Nachfolgend werden unsystematisch einige strategische Erfolgsfaktoren aufgezählt: Konzentration der Abnehmer, relative Produktqualität, Preise im Vergleich zur Konkurrenz, Rate der Neuprodukteinführungen, Investitionsintensität, Kapitalintensität, vertikale Integration, F&E-Ausgaben/Umsatz, Marketingausgaben/Umsatz, Wertschöpfung/Beschäftigte = Produktivität.

Anwendungsgrenzen

Es ist fraglich, ob der multiple Regressionsansatz, der lineare Abhängigkeiten unterstellt methodisch zulässig ist. Zudem können etwaige Interdependenzen in diesem Modell nicht verarbeitet und umgesetzt werden. Die multiple Regressionsanalyse setzt die Unabhängigkeit der 30 Erklärungsfaktoren voraus. In Wirklichkeit besteht jedoch eine Multikolinearität, so können möglicherweise Abhängigkeiten zwischen den Einflußvariablen dergestalt bestehen, daß einige von diesen innerhalb des Systems als Ursachenvariablen fungieren.

Außerdem ist eine Korrelation nicht zwingend identisch mit einer Kausalität. Die PIMS-Ergebnisse erlauben jedoch keine Überprüfung von Scheinkorrelationen. Es kann somit beispielsweise nicht ausgeschlossen werden, daß mit dem relativen Marktanteil und dem ROI zwei Variablen miteinander verbunden wurden, die ihrerseits wiederum von anderen – nicht bekannten – Variablen abhängen.

Hinzu treten Schätz- und Meßprobleme, zumal vielfach qualitative Daten und subjektive Einschätzungen abgefragt wurden.

Ein weiteres grundsätzliches Problem besteht in der Zusammenfassung von Geschäftsfelddaten über die Branchengrenzen hinweg, so daß die PIMS-Analyse nunmehr verstärkt dazu übergeht ihre Ergebnisse nach Branchen zu segmentieren.

Obwohl die PIMS-Studie kein theoretisches Fundament besitzt, bewirken die Ergebnisse ein großes Echo, da der Ansatz aus der Erfahrung über die Strategie für die Strategie zu lernen originär ist. Aber es handelt sich um ein statisches Konzept in dessen Rahmen Strukturbrüche unberücksichtigt bleiben und Geschäftsfelder, die sich in der Reifephase befinden, überrepräsentiert sind. Dies ist nur dann unbedeutend, wenn dem Zyklusstadium keine Bedeutung zugemessen wird.#


[1] Definition.: SEF

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Outscourcing

17 Oktober 2009

= Verringerung der Fertigungstiefe (=Grad der vertikalen Integration) (Vorwärts- (Übernahme Aktivitäten Vertriebspartner) vs. Rückwärtsintegration (Übernahme Lieferantenaktivitäten)), Eigenfertigung vs. Fremdbezug

Ziel:

Kostensenkungen/Flexibilitätserhöhung/Risikominimierung/Zugang zu Bezugsquellen u. Standorten u. Tarifen/Degressionseffekte (scope/scale) nutzen/Senkung Gemeinkosten u. Fixkostenbelastungen/Synergien nutzen/Gewährleistung Liquidität + Finanzierung/Steuervorteile/zeitliche Aspekte (JIT)/Image, Prestige/Know-How- u. Inf.-Zufluß(F&E)

Bestimmung optimale Fertigungstiefe:

– 1. (qualitativ über Ressourcen) Konzept der wertschöpfungsbezogenen Kernkompetenzen (KK):

– KK bestimmen WB-fähigkeit,

– KK ¹ Outsourcingobjekte (Gefährdung WB-stärke des UND.),

– 2. (quantitativ über Kosten) Transaktionskostenansatz (TK):

TK ¹ aus Kostenrechnung (AVAK+Opportunitätskosten w/Red. Freiheitsgrade), Quantifizierung nicht operational, Einflußgrößen sind:

Spezifität (=spezifische I), Komplexität, Unsicherheit, Transaktionshäufigkeit, subjektiv wahrgenommene Bedeutung der Partnerschaft, Anzahl der Tauschpartner

 – Umsetzungsprobleme:

Reduzierung Fertigungstiefe fordert geeignete Beschaffungsstrategien=Sourcingalternativen

Global S. = bei austauschbaren Gütern (Low-Tech, u/o arbeits-/lohnintensiven Teilen/Ausnutzung int. Preisgefälle) Tendenz zu Multiple S.=Beschaffung bei mehreren Zulieferern gleichzeitig), aber hoher TK.

 – Single S. = ein Teil, ein Zulieferer, Koordinationskosten ß, Spezifische I. lohnenswert, Schnittstellenvarianzß, TKß, einmalige SuchkostenÝ (i.Vgl. multiple S.), aber geringere Versorgungssicherheit = Praxis Double S. etabliert.

 – Modular S. = spezielle Form Single S., keine Einzelteile sondern komplexe, montageintensive Baugruppen und Komponenten, Modullieferant organisiert + koordiniert eigenverantwortlich die Sublieferanten und führt die Montage der Einzelteile zu Moduln durch und liefer JIT an Endmontageband des Herstellers, bei Hersteller:

Komplexität, Transport-/Lagerkostenß bei Lieferant:

Fixkostendegression, Lern-und Spezialisierungseffekte. TKß.

System S. = Systemlieferant=Wertschöpfungspartner verkauft hochwertiges System aus F&E, Produktionsvorbereitung, Qualitätsicherung, Logistik. Gleiche Vorteile wie Modular/Single S. + Übernahme Konstruktions-/Entwicklungsaufgaben Þ Verringerung Entwicklungstiefe bei Abnehmer, gemeinsame Produkt-, Prozeßentwicklung u. Kostenoptimierung, Systemlieferant bietet erhebliche Rationalisierungspotentiale, indem er die Kosten, Verantwortung u. Risiken zu einem großen Teil übernimmt.

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TQM – Total Quality Management

17 Oktober 2009

1.            Relevanz der Qualitätsdiskussion

 

                – erhöhte Kundenanforderungen

                – Ergebnisse der PIMS-Studie (Korrelation zwischen Qualität und ROI)

                – Produkthaftungsgesetz

                – allgemeiner Wertewandel

 

2.            Definition Qualität

 

Gesamtheit der Merkmale und Merkmalswerte einer Einheit bzgl. ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen. Qualität ist ein System von Teileigenschaften bzw. Teilqualitäten.

 

2.1          Produktqualität

 

                objektiv  = Einhaltung vorgegebener Spezifikationen

                subjektiv = vom Kunden wahrgenomme Qualität relativ zum Wettbewerbsangebot

 

2.2          Prozeßqualität

 

                Fokussierung auf den Herstellungsprozeß

 

2.3          Unternehmensqualität

 

                – Serviceleistungen           

                – Werbung                                      als Faktoren zur

                – Lieferzeiten                 Erfüllung von Kundenanforderungen

                – etc.                      

 

3.            Der Einfluß von Qualitätsexperten (um TQM transparenter zu machen)

 

3.1          Deming

 

Qualitätssicherung mit dem Schwerpunkt bei statistischen Verfahren der Prozeßsteuerung. Qualitätssicherung als dezentrale Aufgabe, allerdings mit Verantwortlichkeit beim Top-Management. Deming weist darauf hin, daß Kun-denzufriedenheit nur dann gewährleistet ist, wenn eine beständige Interaktion zwischen Produktdesign, Produktion, F&E, Absatz erreicht wird (sog. Deming-Kreis). Interaktion wird hier verstanden, daß externe Unternehmenseinflüs-se (Änderung Kundenpräferenzen) und interne Einflüsse (effektiver Ressourceneinsatz durch Verfahrensinnovatio-nen) berücksichtigt werden.

 

3.2          Crosby

 

Herstellungsorientierte Auffassung von Qualität, die auf die Erfüllung von Anforderungen und Spezifikationen gerichtet ist. Hierbei wird Qualität durch Vorbeugung (Prozeßorientierung) und nicht durch nachträgliche Prüfung gesichert. Crosby ist ein Befürworter des sog. Null-Fehler-Standards und nicht des Toleranzgedankens des Acceptable-Quality-Level. Ökonomische Begründung sieht Crosby in der Berücksichtigung von Qualitätskosten.

 

3.3          Feigenbaum

 

Feigenbaum fokussiert auf die absolute Kundenorientierung inkl. Änderungen der Qualitätserwartungen im Produktlebenszyklus. Er spricht sich für die unternehmensweite Integration aller Aktivitäten aus (Mitarbeiter, Liefe-ranten, Einsatz statistischer Methoden in der Prozeßregelung, etc.).

 

3.4          Juran

 

Kundenorientierung und Top-Down-Ansatz. Systematische Problemlösung mittels Problemanalyse und Ursachenbeseitigung soll kontinuierliche Qualitätsverbesserungen verwirklichen.

 

3.5          Ishikawa

 

„Der nächste Arbeitsprozeß ist dein Kunde“, d.h. Interpretation des Kundenbegriffs sowohl intern als auch extern. Mitarbeiterorientierung (sog. Qualitätszirkel), d.h. Qualität wird neben technischen auch durch soziale Systeme pro-duziert ( Gedanke des internen Marketings).

 

4.            Management und Qualität

 

Lower-Management  Aufrechterhaltung Unternehmensstandards

Top-Management     Kontinuierliche Verbesserung des Standards

 

5.            Definition TQM

 

Unternehmensausrichtung auf permanente qualitative Verbesserung, unter Einbeziehung aller Unternehmensberei-che, Lieferanten, Mitarbeiter und systematische Sammlung und Interpretation aller relevanten Fakten und Überprü-fung ihrer Richtigkeit.

 

6.            Operationalisierung von TQM

 

6.1          Strategieebene

 

Formulierung der Qualitätspolitik ist Aufgabe der Unternehmensleitung. Neben den Aktionsparameter Preis tritt der Parameter Qualität. Qualitätspolitik formuliert Qualitätsgrundsätze, Qualitätsziele und Verantwortlichkeiten. Zusätzlich werden Unterziele abgeleitet.

 

6.2          Operative Ebene

 

Sog. gelebte Qualitätspolitik (d.h. konkrete Umsetzung). Nachfolgend wird eine mögliche Umsetzung des Qualitäts-gedankens beschrieben.

 

6.2.1       Problemanalyse

 

Analyse der Ursachen, die ein noch nicht erreichtes Qualitätsniveau hat. Benötigte Daten werden mit Hilfe statisti-scher Werkzeuge ermittelt (Histogramme, Streuungsdiagramme, Strichlisten, ABC-Analysen etc.).

 

6.2.2       Quality-Engeneering

 

Hier steht die Qualitätssicherung und Qualitätsplanung im Entwicklungsstadium im Vordergrund. Die F&E-Phase besitzt hier eine besondere Bedeutung, da hier spätere Herstell-, Wartungs- und Servicekosten determiniert werden (sog. 80/20-Regel) und i.d.R. noch Unsicherheit über den späteren Markterfolg besteht. Wichtig ist die Berücksichti-gung von Kundenanforderungen in diesem Stadium.

 

6.2.3       Qualitätszirkel

 

Dies ist ein Instrument zur Verwirklichung der gesetzten Ziele (keine eindeutige Definition in der Literatur). Der Qualitätszirkel ist eine Gesprächsgruppe auf freiwilliger Basis (5-8 Mitglieder), die sich mit den Problemen der Qualitätssicherung, Produktivitätssteigerung, Kostensenkung, Weiterbildung und Arbeitsqualität befaßt. Dies soll die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, das Arbeitsklima verbessern und die Arbeitszufriedenheit erhöhen. Qualitätszirkel sind eine Organisationsform zur besseren Ausnutzung des Arbeitnehmerpotential zur Sicherung des KKV. Allerdings besteht hier die Gefahr des informellen Zwangs. Auswirkungen des Qualitätszirkels sind nur schwer steuerbar und sind abhängig von der Unternehmenskultur.

 

 

Exkurs: Benchmarking

 

Vergleich mit den Besten der Besten, sowohl Konkurrenten als auch Nicht-Konkurrenten aus anderen Branchen, die eine Methode, Prozeß, Produkt besonders gut beherrschen. Vorteil dieser Betrachtungsweise ist es, daß bestimmte Faktoren in anderen Branchen evtl. weiterentwickelt sind und die Informationsweitergabe bei Nicht-Konkurrenten eher gewährleistet ist.

 

Exkurs ENDE

 

7.            Qualitätsorientierung unter kritischer Betrachtung

 

TQM = kundenorientiertes Managementkonzept mit dem absoluten Ziel der Kundenzufriedenheit.

Also: Unternehmenserfolg = Kundenzufriedenheit. Diese Gleichsetzung ist nur möglich, wenn der Kunde bereit ist, die höhere Qualität auch zu bezahlen. Höhere qualitative Produktelemente führen c.p. zu höheren Kosten. TQM hat aus wirtschaftlicher Sicht nur dann eine Existenzberechtigung, wenn im Sinne des ökonomischen Prinzips eine Optimierung von Ertrag vs. Aufwand erreicht werden kann.

 

Kritik PIMS:

Von Beispielen kann nicht immer auf eine allgemein gültige Regel geschlossen werden. Erhöhte Kundenanforderun-gen und PIMS werden in ihrer Relevanz für die Qualitätsdiskussion nicht bezweifelt, ob sie allerdings ein neues Qualitätsbewußtsein generieren bleibt fraglich.

 

Problem der subjektiven Qualitätsartikulation

– Kunde hat nur diffuse Vorstellungen in bezug auf die gewünschten Teilqualitäten.

– weiterhin ist die Ermittlung der subjektiven Qualität im Marktforschungsprozeß äußerst schwierig

– Problematik der Meßbarkeit der Qualität

 

Sind diese drei Probleme dennoch gelöst, wird – mit Ausnahme der Einzelfertigung – die Aggregation der im Marktforschungsprozeß ermittelten, subjektiven Qualitätsvorstellungen der Probanden, für den einzelnen Kunden i.d.R. einen Kompromiß zwischen gewünschter und tatsächlich angebotener Qualität darstellen. ( Problematik der Transformation der subjektive in objektive Qualität) Auch die Produktdifferenzierung trägt nur bedingt zur Lösung dieses Problems bei.

 

8.            TQM und das ökonomische Kalkül

 

Qualitätskosten sind Kosten, die vorwiegend infolge von Qualitätsforderungen entstehen, d.h. Kosten, die durch die Maßnahmen der Fehlerverhütung, und Qualitätsprüfung sowie durch externe und interne Faktoren verursacht sind. Qualitätskosten sind ein Entscheidungsinstrumentarium im Rahmen der Qualitätspolitik mit dem Ziel der kostenop-timalen Qualitätsstrategie.

 

Kritik: Datensituation in bezug auf Qualitätskosten ist äußerst schwierig zu operationalisieren (Idealanspruch).

 

 

 

Aus dem Primat der Kostenrelevanz leitet sich die Anforderung an das Unternehmen ab, eine optimale nicht maxi-male Qualität anzustreben. Eine stärkere Berücksichtigung von Qualitätskosten in der Kostenrechnung stellt eine Entscheidungshilfe bei der Suche nach der optimalen Qualitätsstrategie dar.

 

9.            TQM und die Verbesserung bzw. der Innovationscharakter

 

TQM als Teil einer Verbesserungsstrategie ist äußerst trivial. Versteht man Wettbewerb als Prozeß der schöpferi-schen Zerstörung nach Schumpeter, so folgt daraus, Pionierunternehmen die ständige Bereitschaft haben müssen, dazu zu lernen, um sich und ihre Marktposition zu verbessern, fraglich bleibt, ob TQM dem Unternehmen die Chan-ce auf Verbesserung einräumt.

 

Geburt TQM in den 60er, evtl. Anleihen in der Organisationspsychologie, der Wertanalyse und des Marketing. Aber TQM versucht Handlungsanweisungen zu geben, um so schwer faßbare Probleme wie Wertewandel begegnen zu können und den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern (normativ). TQM ist ein in sich geschlossenes Instrumen-tarium zur Umsetzung der Präferenzstrategie. TQM steht im Gegensatz zum Erfahrungskurvenkonzept und der Preis-Mengen-Strategie.

 

10.          TQM und der Anspruch als Führungssystem

 

TQM wird den Effizienzkriterien des Führungssystems nach 1. Operationalität, 2. Vollständigkeit, 3. Standardisie-rung, 4. Flexibilität, 5. Widerspruchsfreiheit gerecht. Voraussetzung ist allerdings, daß das Unternehmen in einem Qualitätswettbewerb steht.

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Prozesskostenrechnung

17 Oktober 2009

Beispiel für eine typische Fragestellung im Bereich der Prozesskostenrechnung:

a)

Die REIHER AG bedient sich der traditionellen Zuschlagskalkulation auf Vollkostenbasis. Hierbei werden vorrangig Einzelkosten als Zuschlagsbasen verwendet. Materialgemeinkosten werden auf Basis der Materialeinzelkosten, Fertigungsgemeinkosten auf Basis der Fertigungslöhne und Verwaltung- und Vetriebsgemeinkosten auf Basis der Herstellkosten zugeschlüsselt.

Auffällig in diesem Zusammenhang ist insbesondere der sehr hohe Anteil der Gemeinkosten an den Gesamtkosten von ca. 80,57%. Der große Anteil der Gemeinkosten an der betriebliche Wertschöpfung beruht vor allem auf dem hohen Umfang von vorbereitenden, planenden, steuernden und überwachenden Tätigkeiten in den Bereich Forschung und Entwicklung, Beschaffung und Logistik, Produktionsplanung und -steuerung, Qualitätssi-cherung und -prüfung sowie Auftragsabwicklung, Vertrieb und Service.

Bedingt durch den hohen Personalkostenanteil im indirekten Bereich (REIHER AG ca. 55,22 %), der nur mittel- bis langfristig variierbar ist, steigen außerdem die fixen Bestandteile der Gemeinkosten an.

Die maschinenintensive Fertigung der REIHER AG bewirkt vergleichsweise niedrige Fertigungslöhne (3,21 %). Hieraus resultieren die hohen Zuschlagsätze im Fertigungsbereich von (168,492 %), die eine verursachungsgemäße Zuordnung der Fertigungsgemeinkosten fraglich erscheinen lassen. Eine eventuell anstehende geringe Veränderung der Fertigungslöhne führt damit zu einer übertrieben hohen Veränderung im Gemeinkostenbereich. Die Auswirkungen dieser Methodik zeigen sich nicht zuletzt in der Kalkulation der REIHER AG, in der das Produkt “Bayern-Ghurt” aller Wahrscheinlichkeit nach mit zu hohen Selbstkosten ausgewiesen wird. Ursache hierfür ist in der überproportionale Zuschlüsselung der Gemeinkosten mittels Zuschlagskalkulation auf Vollkostenbasis zu sehen.

Geht man davon aus das die Losgrößen (leider aus dem Datenmaterial nicht ersichtlich bzw. abzuleiten) des umsatzstarken “Bayern-Ghurt” größer sind als bei den übrigen Produktlinien, führt dies beispielsweise zu einer zu hohen Zuschlüsselung der ausgewiesenen Rüstkosten. Geht man im Gegensatz dazu davon aus, daß eher mit gleichgroßen Losgrößen produziert wird scheint das Verfahren der Zuschlagskalkulation in bezug auf die Rüstkosten gerechtfertigt.

Bei der anschließenden Preiskalkulation führt die Preisfindung zu einem sehr hohen Produktpreis, der in dieser Ausprägung nicht konkurrenzfähig ist. Die REIHER AG muß dementsprechend Umsatzeinbußen hinnehmen.

b)

Durch nicht verursachungsgerechte Kostenumlagen können Fehler in der Produkt- und Preispolitik entstehen, die den Erfolg strategischer Entscheidungen gefährden. Es kommt zu einschneidenden Verzerrungen bei der Zurechnung der Gemeinkosten aufgrund der fortschreitenden Automatisierung der Produktionsprozesse bei gleichzeitigem Absinken der Lohneinzelkosten und Anstieg der Technologiekosten. Falls die Fertigungslöhne weiterhin als Zuschlagsbasis verwendet werden, kann dies zu gravierenden Fehlsteuerungen führen:

Auf Produkte, die mit neuen Fertigungstechnologien (und niedrigen Fertigungslöhnen) hergestellt werden werden zu wenig Gemeinkosten verrechnet, während Produkte, deren Fertigung auf konventionellen Anlagen und Maschinen erfolgt, mit zu hohen Gemein- und damit auch Gesamtkosten belastet werden. Für das Unternehmen können sich hieraus Fehlsteuerungen ergeben, da eine unzutreffende Verrechnung der Gemeinkosten dazu führt, daß Produktlinien mit positivem Ergebnis in Wirklichkeit nicht kostendeckend arbeiten und umgekehrt vermeintlich verlustbringende Fertigungslinien in Wirklichkeit positive Ergebnisbeiträge erwirtschaften. Genau wie bei der REIHER AG wird ein Unternehmen seine Kunden nur dann dauerhaft an sich binden können, wenn das gebotene Preis-Nutzen-Verhältnis besser ist als das der Konkurrenten.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß die REIHER AG den “Bayern-Ghurt” sehr viel preisgünstiger anbieten kann, wenn ei-ne entsprechende verursachungsgemäße Gemeinkostenzurechnung erfolgt. Nur wenn die Kostenposition im Vergleich zu den Konkurrenten günstiger ist, kann die REIHER AG ihre Wettbewerbsvorteile nutzen und dementsprechend ein höheres Absatzvolumen erreichen. Aus dieser Bedingung geht unmittelbar hervor, daß die Kenntnis der “richtigen” Kosten mit entscheidend für die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsvorteile des eige-nen Unternehmens ist.

Der Kostenführer, der über Diversifizierung zusätzliche Volumenvorteile anstrebt, wird solange erfolgreich sein, wie seine Einsparungen aus volumenabhängigen Kostendegressionen (Economies of Scale) größer sind als die Kosten, die bei einer stärkeren Diversifizierung des Produktspektrums zusätzlich entstehen würden (Economies of Scope). Wenn das Kostenrechnungssystem die Kosten einer Ausweitung des Produktspektrums (siehe REIHER AG) nicht verursachungsgerecht auf die Produkte verrechnet, besteht die Gefahr, daß die Kosten der Diversifizierung unbemerkt größer werden als die früher erzielten volumenabhängigen Kostendegressionen.

Nur wenn das Kostenrechnungssystem diese zusätzlichen Kosten entsprechend der produktspezifischen Inanspruchnahme ausweist, wird das Unternehmen seinen infolge der Differenzierung erreichten Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten verteidigen bzw. überhaupt wahrnehmen können.

Daher muß es Zielsetzung einer aussagekräftigen Kostenrechnung sein, die Kosten der betrieblichen Aktivitäten zu ermitteln und für die Kalkulation der Produkte nutzbar zu machen. Diesen Weg geht beispielsweise die Prozesskostenrechnung.

Gründe für die Entstehung einer Prozesskostenrechnung


Die Kostenrechnungsprobleme der REIHER AG resultieren aus einer Entwicklung in der sich der praktische Vollzug der Produkterstellung in den letzten Jahren in praktisch allen Stufen der betrieblichen Wertschöpfung stark verändert hat. Die rasch voranschreitende Automatisierung und Entwicklung neuer Fertigungstechniken (CIM-Systeme) ermöglicht eine immer flexiblere Fertigung einer Vielzahl verschiedener Produkte auf einer Produktionsanlage. Die wettbewerbsbedingte Abnahme der Homogenität des Produktions- und Absatzprogramms, die durch den oben erwähnten gestiegenen Automatisierungsgrad der Fertigung ermöglicht wurde führt zu einer zunehmenden Bedeutung des indirekten Leistungsbereichs und einer abnehmenden Bedeutung der direkten Kosten. Die Rationalisierung hat sinkende Fertigungslöhne zur Folge verbunden mit einem Anstieg der sog. Technologiekosten (Abschreibungen, Zinsen, Energie, Wartung und Instandhaltung). Nach dem traditionellen Verfahren der Zuschlagskalkulation auf Vollkostenbasis werde demzufolge die anfallenden Gemeinkosten nicht verursachungsgemäß zugeordnet.

Die Prozesskostenrechnung kann als neuer Ansatz verstanden werden, die Kostentransparenz in den indirekten Leistungsbereichen zu erhöhen, ein effizienten Ressourcenverbrauch sicherzustellen, die Kapazitätsauslastung aufzuzeigen, die Produktkalkulation zu verbessern und damit strategische Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Voraussetzungen für den Aufbau einer Prozesskostenrechnung

Voraussetzung für den Aufbau einer Prozesskostenrechnung ist eine Analyse und Strukturierung aller in den einbezogenen Unternehmensbereichen durchgeführte Tätigkeiten. Wurde in den betreffenden Bereichen vor nicht allzu langer Zeit eine Gemeinkostenwertanalyse oder Zero-Based-Budgeting durchgeführt, kann auf die dort ermittelten Informationen zurückgegriffen werden. Trifft dies zu, kann die Einführung einer Prozesskostenrechnung auch unter wirtschaftlichen Aspekten befürwortet werden. Das Einsatzgebiet der Prozesskostenrechnung ist gekennzeichnet durch eine hohes Maß an repetitiven Tätigkeiten, die zu ihrer Durchführung nur wenige Einzelentscheidungen erfordern.

Insbesondere unter Berücksichtigung des oben bereits erwähnten Wirtschaftlichkeitsaspekt ist eine Implementierung der Prozesskostenrechnung nur dann sinnvoll, wenn der Nutzen bzw. Informationsgewinn dieser Neuerung die anfallenden Kosten rechtfertigt. Dies wird vor allem dort der Fall sein, wo eine inhomogene Produktstruktur existiert, aufgrund der die einzelnen Produkte die Gemeinkostenbereiche unterschiedlich stark be-anspruchen.

Vorgehensweise bei einer Prozesskostenrechnung

Ausgangspunkt für die Implementierung einer Prozesskostenrechnung ist die Bestimmung von Prozessen und Prozessgrößen.

Prozesse sind repetitive Tätigkeiten, die in den verschiedenen Kostenstellen oder Abteilungen eines Unternehmens bei der Ausführung der übertragenen Aufgaben anfangen. Neben rein physischen Prozessen können auch wertmäßige Vorgänge wie Abschreibungen oder die Verzinsung von Lagerbeständen als Prozesse definiert werden. Durch die kostenstellenübergreifende Zusammenfassung von mehreren schlich zusammenhängen Teilprozessen entstehen sog. Hauptprozesse, die die Grundlage der Prozessorientierten Kalkulation darstellen. Bezugsgrößen für die Verrechnung der angefallenen Gemeinkosten sind die daraus abzuleitenden Kostentreiber. Es erfolgt hierbei keine gewohnt wertmäßige Zuordnung, sondern vielmehr eine Prozessmengenabhängige Verrechnung. Kriterien sind u.a.:

* einfache Ableitbarkeit aus dem verfügbaren Informationsquellen
* Proportionalität zur Beanspruchung der Ressourcen
* Durchschaubarkeit und Verständlichkeit

Nach der Identifizierung aller Prozesse einer Kostenstelle sind diese daraufhin zu untersuchen, ob sie sich in Abhängigkeit von dem in der Kostenstelle zu erbringenden Leistungsvolumen mengenvariabel verhalten (leistungsmengeninduzierte Kosten) oder davon unabhängig mengenfix und generell anfallen (leistungsmengenneutrale Kosten). Für alle leistungsmengeninduzierten Prozesse sind nun geeignete Maßgrößen zu finden, mit deren Hilfe die Prozesse mengenmäßig quantifizierbar sind. Die Festlegung geeigneter Prozess-größen ist dabei stark von den fimenspezifischen Gegebenheiten abhängig. Die Quantifizierbarkeit der Prozessgrößen ermöglicht die Ermittlung von Prozessmengen, die als Anzahl der verrichteten Tätigkeiten eines Prozesses einen Maßstab für die Kapazität der jeweiligen Kostenstellen darstellen. Auf der Basis von Plan-Prozessmengen können für jeden Prozess die zugehörigen Kostenarten detailliert geplant werden.

Mit den ermittelten Prozessmengen liegen jetzt die Schlüsselgrößen für den Verbrauch der Kosten vor. Unabhängig von der wertmäßigen Höhe bestimmter Zuschlagsbasen ist nun eine Zuordnung der entstandenen Kosten mit Hilfe von Prozesskostensätzen möglich. Diese berechnen sich aus dem Verhältnis von Prozesskosten zu Prozessmenge:

Prozesskostensatz = Kosten je Prozessgröße = Prozesskosten/Prozessmenge

b)

Für Tätigkeiten deren Kosten Prozessmengenunabhängig entstehen und damit als fix anzusehen sind, gibt es keine direkten produktbezogenen Maßgrößen der Kostenverursachung. Für die Verrechnung dieser leistungsmengenneutralen Kosten stehen zwei unterschiedliche Vorgehensweisen zur Verfügung:

I. Zunächst können die Kosten kostenstellenübergreifend in einer Sammelposition zusammengefaßt werden, um dann mit prozentualen Zuschlagssätzen auf die Gesamtsumme der bereits produktspezifisch vorliegenden Einzel- und Prozesskosten verrechnet zu werden. Dieses Verfahren hat jedoch den Nachteil, daß in diesem Bereich die angestrebte verursachungsgemäße Kostenanlastung nicht erreicht wird.

II. Alternativ kann die Umlage der leistungsmengenneutralen Prozesskosten proportional zur Höhe der leistungsmengeninduzierten Prozesskostensätze erfolgen. Man gelangt somit zu Gesamtkostensätzen, die zwar auch keine vollständig verursachungsgerechte Verrechnung aller Gemeinkosten garantieren, aber durch ihre stärkere Differenzierung eher dem Grundgedanken der Prozesskostenrechnung entspricht.

a)

In der Literatur gehen die Meinungen bei der Beurteilung der Prozesskostenrechnung weit auseinander. Unbestritten sind jedoch die Vorteile der Prozesskostenrechnung gegenüber traditionellen Vollkostenkalkulationen. Ob diese Überlegenheit auch gegenüber Kostenrechnungssystemen besteht, in denen mit differenzierten Bezugsgrößen gearbeitet wird, wie z.B. die Grenzplankostenrechnung, ist fraglich.

Verfechter der Prozesskostenrechnung, wie Coenenberg, Horváth und Mayer, sehen in ihr ein entscheidungsunterstützendes Informationsinstrument vor allem im Hinblick auf eine strategieorientierte Gestaltung des Produkt-Mix. Die Prozesskostenrechnung weist auf die Bedeutung der Produktkomplexität und Variantenzahl für die Produktkostennähe deutlich hin (3 Effekte), wohingegen prozentuale Gemeinkostenzuschläge auf Wertgrößen diese Phänomene kostenmäßig nicht erfassedn.

Neben den Informationsvorteilen in der Produktkalkulation liefert das System der Prozesskostenrechnung noch wesentliche Hinweise und Anregungen für eine strategieoreientierte Gestaltung der betrieblichen Wertschöpfung. So fördert die Prozesskostenrechnung die Entwicklung montagefreundlicher Produkte und hilft die “non-value activities” im Unternehmen effizienter zu gestalten.

Gemessen an der in der Vollkostenrechnung üblichen Art der Verteilung fixer Gemeinkosten mit Hilfe von Wertschlüsseln stellt der Verteilungsmodus der Prozesskostenrechnung gewiß einen wesentlichen Fortschritt dar, da die Gemeinkosten der fertigungsnahen Kostenstellen bei Anwndung aktivitätsorientierter Bezugsgrößen verursachungsgerechter auf die Produkt verteilt werden. Kostenverzerrungen im Rahmen der Kalkulation sind je-doch immer noch nicht auszuschließen, vor allem was die Verteilung der leistungsmengenneutralen Kosten betrifft. Hinzu kommt, daß Prozessmengen häufig geschätzt werden müssen. Somit ist die verursachungsgerechte Verteilung aller Kosten nicht gewährleistet. Die Tatsache, daß die Prozesskostenrechnung eine Vollkostenrechnung ist, mit der daraus resultierenden Inflexibilität dient sie in erster Linie eher als strategisches Planungsinstrument für produktpolitische Entscheidungen, wie Kontruktion, Produktionsverfahren, Pro-duktneueinführungen und langfristige Preisstrategien.

Dadurch, daß fixe Kosten in die Kalkulation einbezogen werden, ist die Prozesskostenrechnung für kurzfristige Entscheidungen kaum geeignet. Gegner der Prozesskostenrechnung (Klook) bezweifeln jedoch die Eignung der Prozesskostenrechnung als strategische Planungsgröße, sowie den Nutzen der Prozesskostenrechnung für eine strategieorientierte Gestaltung des Produkt-Mix. Die von Coenenberg/Fischer festgestellten Allokations-, Kom-plexitäts-, Degressionseffekte der Prozessvollkosten lassen sich nur unter sehr unrealistischen Annahmen für eine strategieorientierte Gestaltung des Produkt-Mixes nutzen. So dürfen sich zum Beispiel die Prozessvollkosten im Periodenablauf nicht ändern. Es werden also interne Einflüsse wie externe Einflüsse (Nachfrageverschiebung etc.) einfach unberücksichtigt gelassen. Klook führt aus, daß eine auf dem Durchschnittsprinzip basierende Zurechnung von Gemeinkosten keine realitätsnahen Kalkulationsansätze darstellen, die für die Kalkulationsansätze der volumenorientierten Kostenrechnung verwendet werden können.

Die Prozesskostenrechnung basiert auf dem Ansatz konstanter Prozesskoeffizienten, die insbesondere für Aufträge über Bestell-, Fertigungs- und Absatzmengen nicht gegeben sind und daher auch zu manipulierten Prozesskostenansätzen in Abhängigkeit der jeweils unterstellten Auftragsgröße führen. Somit entspricht die proportionale Verrechnung der Prozesskosten auch nicht dem Verursachungsprinzip, weil keine konstanten Prozesskoeffizienten vorliegen, sondern vielmehr dem Beanspruchungsprinzip.

Zusätzlich bezweifelt man die Doppelfunktion der Kostentreiber.

Dies sind nur einige wenige Punkte, die an der Prozesskostenrechnung kritisiert werden, weitere Ausführungen würden an dieser Stelle jedoch zu weit führen und können in der einschlägigen Literatur nachgelesen werden.

Versucht man die Kritikpunkte auf einen Nenner zu bringen, so liegt die Schwäche der Prozesskostenrechnung in ihrer eingeschränkten Anwendbarkeit aufgrund von Implementierungsproblemen.

b)

Verfechter der Prozesskostenrechnung sehen in ihr natürlich einen erheblichen Fortschritt in der Entwicklung der Kostenrechnungssysteme. Verglichen mit dem Stand traditioneller Vollkostenrechnungen in der Praxis ist dies sicherlich der Fall. Mißt man die Prozesskostenrechnung allerdings an einem vergleichbaren Kostenrechnungssystem wie der Grenzplankostenrechnung fällt das Urteil anders aus.

Die Ansätze der Prozesskostenrechnung sind nicht neu. So bedient sich die Prozesskostenrechnung der traditionellen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung und lehnt sich in bezug auf das Denken in Bezugsgrößen und Teilprozessen an die Grenzplankostenrechnung an. Beide Systeme folgen einem strengen Verursachungsprinzip und sollen entscheidungsrelevante Kostenwerte liefern.

Prozesskostenrechnung versus Grenzplankostenrechnung in Verbindung mit der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung

Im Unterschied zu der Grenzplankostenrechnung sollen in der Prozesskostenrechnung die indirekten Leisungsbereiche mit einbezogen werden. So werden Prozesse analysiert und Haupteinflußfaktoren der Gemeinkostenverursachung gesucht. Neu ist in diesem Zusammenhang, daß verschiedene Aktivitäten und Teilprozesse zu Hauptprozessen, zusammengefaßt werden und somit kostenstellenübergreifende Hauptprozesse gebildet werden (weitere Kriterien sind der Gegenüberstellung Grenzplankostenrechnung versus Prozessko-stenrechnung zu entnehmen). Jedoch sind grunsätzliche Unterschiede zu betonen:

Während eine Grenzplankostenrechnung ein Teilkostenrechnungssystem ist, verrechnet eine Prozesskostenrechnung immer Vollkosten.

Während einer Grenzplankostenrechnung immer der wertmäßige Kostenbegriff zugrunde liegt, bleibt derjenige einer Prozesskostenrechnung immernoch vage.

In einer Grenzplankostenrechnung wird zwischen Einzel- und Gemeinkosten unterschieden und letztere werden in variable und fixe Kosten gespalten; eine Prozesskostenrechnung unterscheidet durch die Einführung der Begriffe “leistungsmengeninduziert” und “leistunungsmengenneutral” lediglich zwischen Einzel- und Gemeinkosten der jeweiligen Kostentreiber-Hierarchiestufen.

Eine Grenzplankostenrechnung verrechnet Gemeinkosten über Kostenstellen; eine Prozesskostenrechnung ordnet sie über (Haupt-)Prozesse unter Umgehung der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung unmittelbar den Erzeugnissen zu.

Dies bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Bestimmung von Verantwortlichen für die Kostenentstehung. Bei einer Grenzplankostenrechnung obliegt die Kostenverantwortung dem Kostenstellenleiter; bei einer Prozesskostenrechnung wird sie kollektiv durch den Prozessbevollmächtigten wahrgenommen, der als leitende Führungskraft neben seiner Funktionsbereichtsverantwortung eine bereichsübergreifende Verantwortlichkeit inne hat.
Bei der Anwendung von Soll-Ist-Vergleichen zur Kostenkontrolle dominiert in einer Grenzplankostenrechnung im Hinblick auf das ausgeklügelte Bezugsgrößensystem der Fertigungsbereich. Eine Prozesskostenrechnung greift hingegen das seit den Anfängen der Kostenrechnung diskutierte Problem der Leistungsmessung in den kasuistisch aufgezählten sog. indirekten Leistungsbereichen (Forschung, Entwicklung, Kontruktion, Beschaffung, Logistik, Produktionsplanung und -steuerung, Instandhaltung und Qualitätssicherung) auf, die insbesondere aufgrund neuer technologischer Anwendungen einen auch noch zukünftig steigenden Gemeinkostenanteil verursachen.

Die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung macht ähnliche Vorarbeiten notwendig wie der Aufbau einer Prozesskostenrechnung. Auch hier geht es darum, durch Tätigkeits- und Funktionsanalysen festzustellen, welche Personal- und Sachkapazitäten einzelne Produkte und Prokuktgruppen in Anspruch nehmen.

Da der Grenzplankostenrechnung häufig vorgeworfen wird, sie würde die fixen Kosten vernachlässigen und somit ein sinnvolles Gemeinkostenmanagement verhindern, erscheint die Kombination mit einer stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung als eine ideale Ergänzung. Im Gegensatz zu Prozesskostenrechnung findet eine Schlüsselung der fixen Kosten nicht statt. Die Fixkosten werden hierarchisch gestaffelt erfaßt und als Einzelkosten einer bestimmten Teileinheit zugerechnet.

Durch die mehrdimensionale Ausgestaltung der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung soll eine Verletzung des Verursachungsprinzips vermieden werden und trotzdem die gewünschte Tranzparenz der Kostenstellen auch bei den indirekten Leistungsbereichen gegeben sein.

In der Literatur wird häufig der Ansatz einer Grenzplankostenrechnung in Verbindung mit einer stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung der Prozesskostenrechnung vorgezogen, vor allem weil eine Proportionalisierung fixer Kosten vermieden wird und die Grenzplankostenrechnung als Teilkostenrechnung entscheidungsrelevante Kostenwerte für kurzfristige Entscheidungen liefert.

Zusätzlich können Vollkosteninformationen auf Kostenträgereinheitenebene in Sonderrechnungen schnell ermittelt werden, ohne die Kostenstrukturtransparenz zu verwischen. Damit ist eine kurz- und langfristige Erfolgsplanung und -kontrolle gewährleistet.
Als Vorteil der Prozesskostenrechnung gegnüber der Grenzplankostenrechnung in Verbindung mit der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung kann man das Denken in Prozessen und damit verbunden die Forderung eines ganzheitlichen Denkens sehen. Die Aufteilung der Kostenstellen in Teilprozesse und die Bildung kostenstellenübergreifender Hauptprozesse zwingt zu einer Analyse vieler Tätigkeiten, die sonst oft als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die Prozesse werden als knappe Ressourcen angesehen, mit denen gewirtschaftet werden muß.

Prozesskostenrechnung versus Zero-Based-Budgeting

Vergleicht man die Prozesskostenrechnung mit dem Zero-Based-Budgeting zeigen sich auch hier Gemeinsamkeiten. Das Zero-Based-Budgeting ist ein Analyse- und Planungsprozess, der von jedem Manager verlangt, sein Budget vollständig und detailliert von Grund auf zu begründen. Die Rechtfertigung der anfallenden Kosten liegt hierbei im Aufgabenbereich des Managements. Ziel ist es, die Gemeinkosten zu senken und im Sinne operativer und strategischer Ziele umzuverteilen. Auch beim Zero-Based-Budgeting erfolgt wie bei der Prozesskostenrechnung eine Tätigkeits- und Funktionsanalyse der Gemeinkostenbereiche (Gemeinkostenwertanalyse).

Klingt einfach ist auch so.

Dirk Stader

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