Apropos „Nieten in Nadelstreifen“

Irgendwie ist an dem Vorwurf von den „Nieten in Nadelstreifen“ was dran. Was man in Konzernen so alles erlebt, ist schon mehr als interessant. Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung: Da ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende, der der Lufthansa vorschreibt, in welcher Art und Weise die Früchte geschnitten und auf dem Teller angeordnet werden sollen, damit auf dem Flug auch alles so ist, wie er es mag. Gleicher Vorstand liess den Sitz seines Fahrers solange abtragen, bis er über ihn hinweg nach vorne sehen kann. Besagter Vorstand sitzt natürlich immer hinten.

Einer seiner Kollegen läßt aus einer 500 S-Klasse von Mercedes die serienmäßige Lederausstattung wieder entfernen, wegen einer „angeblichen“ Lederallergie. Das nunmehr keine Leasinggesellschaft dieses Fahrzeug mehr finanzieren will, störte nicht weiter, dann wird es halt einfach gekauft. Der Restwert des Wagens war unmittelbar nach der Zulassung um 75% gefallen.

Besagter Vorstand im Originalzitat zu mir bei einer Präsentation, bei der der Gesamtvorstand anwesend war: „Herr XY sprechen Sie nur zu mir hier drüben sitzt sowieso keine Kompetenz.“ Auch wenn er wahrscheinlich Recht hatte, war es umso erstaunlicher, dass keiner der besagten Vorstandsmitglieder den Mumm hatte einfach aufzustehen und dem Vorsitzenden wissen zu lassen, dass er ihn in seinem Büro bei der Arbeit findet. Das wäre die einzig richtige Antwort auf so einen Unsinn gewesen.

Konzernentscheidungen wurden getroffen, weil Berater wie Roland Berger, McKinsey etc. meinten mehr Ahnung von  der Strategie eines Großkonzerns zu haben, als die unternehmenseigenen Führungskräfte. Ich habe selten soviel Unsinn gesehen. Was sind übrigens die beiden typischen Handlungen eines Beraters: wie schüttel ich mir was aus dem Arm und wie sauge ich mir etwas aus den Fingern. Es gibt böse Zungen die behaupten, dass Berater die moderne Form einere Hure sind: sie erbringen eine Dienstleistung für viel Geld, die man selbst bessser, schneller und billiger hätte erbringen können. Aber das nur nebenbei.

Aber zurück zu den Konzernbossen: ich glaube der moralische und ethische Verfall der Führungsriegen, hat seine Ursache in der mangelhaften Ausbildung. Es fehlen moralisch, ethische Grundausbildungen. Wirklich schade, viele dieser Personen hätten wirklich erfolgreich sein können.

Klingt einfach, ist auch so.

Dirk Stader

2 Replies to “Apropos „Nieten in Nadelstreifen“”

  1. Sehr gut getroffen! Auch mir begegnen mehr Idioten im Anzug als im Blaumann.

    Die liebe „Elite“ ist derart verblödet (verkokst), das einem schlecht wird.

  2. Hallo Herr Stader,
    ich kann das Beschriebene leider nur bestätigen. Man sollte es eigentlich nicht glauben aber auf der Top-Management-Ebene geht es leider immer weniger darum, ein Unternehmen voran zu bringen. Vielmehr herrscht Selbstoptimierung vor. Man könnte meinen, die Herrschaften kriegen den Rachen nicht voll genug.
    Auch den „Strategieberatungs“-Wahnsinn kann ich nur bestätigen. Das Problem startet hier allerdings schon bei den ahnungslosen Vorständen, die die „Strategieberater“ ins Unternehmen holen (häufig, weil sie selbst über eine solche Beratung in die Position „gelobt“ wurden). Wenn man selbst keine Ahnung vom Problem oder wo man hin will hat und sich dann einen „Strategen“ reinholt muss man sich nicht wundern. Kein Auftrag bedeutet für diese Herrschaften nämlich eine Lizenz zum Gelddrucken. Dann wird halt überall herumgestochert bis man genügend „Baustellen“ identifiziert hat, auf die man dann noch n weitere fakturierende Beratungsressourcen verkaufen kann. Und zwar möglichst lange. Und für möglichst hohe Sätze. Grundsätzlich funktionieren Beratungshäuser so, dass ein Teil des Bonus der Senioren über Akquise verdient wird. D.h. die Jungs haben immer ein Interesse daran, so viel wie möglich Beratungsressourcen zu verkaufen. Ein Kunde, der keine Ahnung von seinem Geschäft oder dem was er will hat ist da ideal. Eine Kuh, die unendlich gemolken werden kann.
    Gegenleistung? Im besten Fall ein Stapel Papier, der nur Dinge in „hübschem“ Powerpoint-Format zusammenfasst, die die Belegschaft dem Berater erzählt hat.
    Neue Erkenntniss? Fehlanzeige.
    Damit man nicht ganz im Alltagsfrust versinkt haben ein Freund und ich einen Blog eröffnet, auf dem jeder Schreibbegeisterte mitschreiben und seine besten/lustigsten Geschichten zum Besten geben kann.
    Schauen Sie doch ‚mal vorbei:
    http://mycareertherapy.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.